Metallindustrie im Norden sucht neue Mitarbeiter

Das Geschäft läuft rund: Bei einer Umfrage  beurteilten 83 Prozent der Nord-Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder  befriedigend.
Das Geschäft läuft rund: Bei einer Umfrage beurteilten 83 Prozent der Nord-Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend.

Branche zeigt nach Krisenstimmung wieder Zuversicht / Auftragsbücher sind gut gefüllt

shz.de von
03. Juni 2014, 13:27 Uhr

„Erholung ja, Partystimmung nein“: Nordmetallchef Thomas Lambusch mag von Euphorie in seiner Branche nichts wissen, auch wenn die gestern präsentierten aktuellen Konjunkturdaten freundlich ausfallen. „Partystimmung“, ärgerte sich der Präsident des Arbeitgeberverbandes gestern in Hamburg, herrsche derzeit nur in der Politik. „Die gibt gerade Geld aus, als gäbe es kein morgen.“ Der Kater sei unausweichlich.

Lambusch kritisierte vor allem das Rentenpaket der großen Koalition als zu kostspielig. Auch die schwarz-rote Energiepolitik mit der Kürzung von Stromrabatten sei schädlich für die Wirtschaft. Lambusch: „Die Hamburger Stahlwerke müssen beispielsweise 462 000 Euro pro Jahr mehr für Strom ausgeben. Das ist ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.“ Negative Folgen erwartet Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger überdies vom bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn. Der treffe die Metall- und Elektrobranche wegen der geltenden hohen Tariflöhne zwar nicht direkt. „Aber viele Zulieferer und Dienstleister sind betroffen. Sie werden ihre Mehrkosten an uns weitergeben.“ Weitere Sorgen bereiten die noch immer nicht ausgestandene Euro-Schuldenkrise sowie der Ukraine-Konflikt samt Russland-Sanktionen.

Noch sind die Mienen der Metall-Manager in den fünf Küstenländern überwiegend entspannt. In der Frühjahrs-Konjunkturbefragung unter den 650 Mitgliedsbetrieben (150 000 Beschäftigte) in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Nordwestniedersachsen zeigten sich 37 Prozent der Firmenchef mit der Lage ihres Unternehmens zufrieden – immerhin sechs Prozentpunkte mehr als vor einem halben Jahr. 46 Prozent meldeten zufriedenstellende Geschäfte.

Auch die Auftragsbücher sind besser gefüllt als im Herbst, nur noch ein Viertel der Unternehmen beklagt zu geringe Bestände. Besonders gut ist die Auftragslage in der Luft- und Raumfahrtindustrie – und überraschenderweise auch bei den Werften. Fast jeder zweite Schiffbauer meldet eine „relativ hohe“ Ordermenge. Nordmetall-Sprecher Peter Haas: „Die Talsohle bei den Werften ist erreicht. Die Branche hat sich zurückgeschrumpft.“ Die allgemeine Zuversicht spiegelt sich auch in den Arbeitsplatz-Perspektiven. Fast 28 Prozent der Firmen wollen ihren Personalbestand erhöhen, nur zehn Prozent verringern.

Beim regionalen Vergleich hat Hamburg die Nase vorn. Dort stufen 44 Prozent der Metall- und Elektrofirmen ihre Geschäfte als „gut“ ein; in Schleswig-Holstein sind es 33 Prozent, in Bremen 40, in Nordwestniedersachsen 25. Auch die Jobaussichten sind an Elbe und Alster am besten. Jeder dritte Betrieb will seine Belegschaft ausbauen. In Schleswig-Holstein plant knapp jedes vierte Unternehmen zusätzliche Jobs.

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