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Chemie-Merger in den USA : Mega-Fusion von Chemical und DuPont stürzt BASF vom Sockel

vom
Aus der Onlineredaktion

Die US-Chemiegiganten Dow Chemical und Dupont schließen sich zusammen, um sich dann zu separieren.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 15:12 Uhr

Frankfurt | Die Mega-Fusion der US-Chemiegiganten DuPont und Dow Chemical wird die Branche weltweit kräftig durchwirbeln. Die beiden Konzerne haben einen Börsenwert von jeweils knapp 60 Milliarden Dollar. Es entsteht ein Super-Unternehmen mit mehr als 90 Milliarden Dollar (82 Milliarden Euro) Umsatz. Der deutsche Konkurrent BASF würde damit zunächst seine Position als größter Chemiekonzern der Welt verlieren. Doch die bisherigen US-Rivalen wollen sich nach der Fusion aufspalten. So entstehen neue, schlagkräftige Einheiten für Agrochemie, Spezialchemikalien und Kunststoffe.

Die 120 Milliarden schwere Fusion der Chemiegiganten Chemical und DuPont würde BASF als globalen Branchenprimus ablösen. Allerdings ist Teil des Plans, den neuen Konzern gleich wieder in verschiedene Geschäftsteile aufzuspalten


Diese neuen Player dürften auch der europäischen Konkurrenten wie Bayer und Syngenta kräftig einheizen. Denn bei dem Deal in den USA geht es nicht nur um schiere Größe. So sieht der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Marijn Dekkers, durch die mögliche Fusion der US-Giganten den Trend zur Fokussierung bestätigt. Einzelne Geschäfte sollen gebündelt und später wieder separiert werden.

Diesen Trend sehe die Branche schon lange, sagte Dekkers, der auch Bayer-Chef ist, vor wenigen Tagen auf einer Pressekonferenz seines Unternehmens. Es sei für die Firmen sehr schwierig, sehr breit aufgestellt zu sein. Bayer selbst habe in den vergangenen Jahren entsprechende Schritte mit der Abspaltung von Lanxess vor zehn Jahren und dem Börsengang von Covestro im laufenden Jahr bereits vollzogen. In den USA bestehe in dieser Beziehung offenbar noch Nachholbedarf.

Einen anderen Weg geht der bisherige Branchenprimus BASF. Dieser setzt auf einen engen Verbund der Anlagen und damit eine optimale Ausnutzung der Großanlagen. Die Produktpalette ist entsprechend breit. Sie reicht von Chemikalien, Kunststoffen, Veredlungsprodukten und Pflanzenschutzmitteln bis hin zu Öl und Gas. 2014 erzielten die Ludwigshafener so mit mehr als 113.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 74 Milliarden Euro.

Der Druck zur Fokussierung ist in den USA inzwischen besonders hoch, da dort aktivistische Aktionäre Druck auf die Unternehmen ausüben. Sie fordern bei den US-Giganten bereits seit Jahren eine Abspaltung einzelner Geschäftsteile. So soll sich der Wert der Unternehmen erhöhen. Auch die Analysten von Bernstein lobten einen möglichen Zusammenschluss von Dow und DuPont zuletzt. Die Experten rechnen mit milliardenschweren Synergien bei dem möglichen „Dream Deal“.

Der Branche bereitet derzeit vor allem das Kunststoffgeschäft Kopfschmerzen. Überkapazitäten sorgen bei einer abflauenden Nachfrage in vielen Bereichen für Druck auf die Preise. Auch im Agrarchemiegeschäft gibt es weltweit viel Bewegung. Seit einigen Monaten wird über eine mögliche Konsolidierung des Sektors spekuliert. „Wir sind überzeugt, dass der Sektor in sechs Monaten ziemlich anders aussehen wird als heute“, sagte Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré der „Financial Times“. Der US-Konzern Monsanto hatte erst Ende August eine geplante milliardenschwere Übernahme von Syngenta abgeblasen. Als neuer Interessent wurde zuletzt der chinesische Konzern ChemChina gehandelt.

Die Pharmabranche hat die Übernahmewelle bereits voll erfasst. Hier setzte eine Rekordübernahme in den USA zuletzt neue Maßstäbe: Der Viagra-Konzern Pfizer will sich mit dem Botox-Hersteller Allergan zum größten Pharmakonzern der Welt zusammenschließen. Das Volumen der Ende November bekanntgegebenen Transaktion liegt bei rund 160 Milliarden US-Dollar. Hier liegen die Vorteile aber unter anderem darin, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen.

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