zur Navigation springen

Maschmeyers Fahrradbauer ist pleite

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gesucht werden finanzstarke Partner / 600 Jobs in Gefahr / Ex-AWD-Chef ist größter Anteilseigner bei Deutschlands absatzstärkstem Radhersteller

 In der Nähe von Nizza schloss Carsten Maschmeyer (Foto) gerade mit Schauspielerin Veronica Ferres den Bund fürs Leben. Doch eine seiner vielen Beteiligungen, die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen im Südharz, sucht jetzt neue Partner. Nach monatelangem Bangen beantragte die Firma mit derzeit 600 Mitarbeitern gestern Insolvenz in Eigenverwaltung – und will den Neustart in eigener Regie angehen. Seit der Entdeckung von Fehlern in der Bilanz Anfang des Jahres suchte der absatzstärkste deutsche Fahrradbauer händeringend Geld.

Hoffnungen setzte das Management auf den indischen Marktführer Hero Cycles. Zuletzt sollte er die Mehrheit übernehmen und Altaktionäre und Anleihengläubiger dafür Verzicht üben. Doch die Idee hat sich vorerst zerschlagen - man habe sich mit den Indern nicht einigen können, erklärte Mifa. Ex-AWD-Chef Maschmeyer war 2011 beim ostdeutschen Vorzeigeunternehmen eingestiegen. Ein Jahr später war er mit rund einem Drittel der Anteile größter Anteilseigner. Doch Anfang des Jahres kam dann heraus, dass die Bilanzen von Mifa nicht stimmten.


Sogar der Papst fährt ein E-Bike von Mifa


Nach neuen Berechnungen lief allein 2013 ein Verlust von mehr als 13 Millionen Euro auf. Dabei hatte Mifa jahrelang gute Zahlen präsentiert. Vor allem die Nachfrage nach modernen und teuren E-Bikes habe den Umsatz in die Höhe getrieben, hieß es regelmäßig in den Quartalsberichten. Das 2004 an die Börse gegangene Unternehmen expandierte und kaufte hinzu. Zuletzt lag der Jahresumsatz bei 111 Millionen Euro, selbst der Papst fuhr auf einem E-Bike von Mifa.


Der Jahresumsatz betrug zuletzt 111 Millionen Euro


Den Sanierungskurs hatte Maschmeyer – bei dem auch seine Anteile durch die Herausgabe neuer Aktien deutlich verwässert worden wären – offensiv mitgetragen. Die Rettung des Unternehmens und der Erhalt der Arbeitsplätze stünden im Vordergrund, hatte ein Maschmeyer-Sprecher nach der Veröffentlichung der Pläne erklärt.

Mit dem Insolvenzantrag schrillen in der Region bei der Politik die Alarmglocken. Zuletzt lag die Arbeitslosigkeit im Arbeitsmarktbezirk bei 13,4 Prozent. Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Steppuhn forderte Hilfen der Landesregierung. Doch das Wirtschaftsministerium sieht Hürden im EU-Recht. Der Landkreis hatte der Mifa bereits mit einem Immobiliengeschäft geholfen. Die IG Metall verlangte nun, die Insolvenz als Chance für einen Neuanfang zu nutzen. Die Mitarbeiter müssten dabei einbezogen werden. Doch wie es jetzt ohne die Inder weitergeht, ist unklar.

Das Amtsgericht Halle soll nun eine Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglichen – damit das Management selbst den Sanierungskurs weitergehen kann. „Das Unternehmen ist auf jeden Fall sanierungsfähig“, sagte Sprecher Mark Appoh. Das Management suche nun neue Investoren. Dazu werde der Vorstand jetzt umgehend einen Verkaufsprozess in die Wege leiten.

zur Startseite

von
erstellt am 29.Sep.2014 | 17:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert