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E-Mobilität in Norwegen, USA und China : Markt für Elektroautos: Das „Tesla-Wunder“ im Schatten Chinas

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Jubel über Tesla und Kopfschütteln über Deutschland. Andere Länder fahren der Bundesrepublik beim Thema E-Mobilität davon.

Flensburg | Die Welt jubelt über die E-Auto-Revolution von Tesla und auch China präsentiert sich auf dem Markt für Elektroautos als Vorreiter. Zugleich fragen sich viele, wie es sein kann, dass Deutschland bei der E-Mobilität nicht recht vom Fleck kommt, während andere Länder mit Volldampf davonfahren. Mit der Innovationskraft der jeweiligen Wirtschaft oder der Offenheit der Bevölkerung für Neues, wie es dann schnell geunkt wird, hat es dabei wenig zu tun, dass die E-Mobilität in manchen Ländern bahnbrechende Erfolge feiert – dafür aber viel mit den Eingriffen des Staates in das Spiel von Angebot und Nachfrage. 

Die E-Mobilität steht bei allen Autoherstellern hoch im Kurs. Teslas Ankündigung, ein massentaugliches Elektroauto auf den Markt bringen zu wollen, hat für große Aufmerksamkeit gesorgt. Das „Model 3“ könnte den Markt für batteriebetriebene Fahrzeuge revolutionieren und den Anfang vom Ende der mit fossilen Brennstoffen betriebenen Autos bedeuten.

Beispiel Norwegen: Das skandinavische Land gilt vielen Befürwortern der E-Mobilität als Vorbild.  Es ist inzwischen der größte Markt für Elektrofahrzeuge nach China, den USA und den Niederlanden. 17 Prozent der Neuwagen machten zuletzt die E-Fahrzeuge aus, wie aus Zahlen von Norwegens Verkehrsbehörde und der Automobilverbände im Land hervorgeht. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Marktanteil bei den Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im vergangenen Jahr gerade einmal bei 0,7 Prozent.

Doch der Boom in Norwegen ist teuer erkauft. Allein in 2015 sollen die Subventionen und Steuerbegünstigungen für E-Autos nach Schätzungen zur Mitte des Jahres hin für ein Defizit von rund 230 Millionen Euro im Staatshaushalt sorgen. Weder Import-, noch Mehrwertsteuer werden auf die E-Autos fällig, kommunale Parkplätze können kostenlos genutzt werden, die Maut auf den Autobahnen entfällt, die Busspur darf befahren werden. Auf heimische Hersteller muss die Regierung in Oslo obendrein mit ihrer Politik keine Rücksicht nehmen – denn die gibt es nicht.

Inzwischen werden die zahlreichen Vergünstigungen in dem Land aber immer stärker infrage gestellt – das Befahren der Busspur wurde in Oslo bereits eingeschränkt. Die steuerlichen Subventionen könnten in diesem Jahr gekippt werden. Denn die Öl-Milliarden, die bislang den Traum von der grünen Revolution auf Norwegens Straßen finanziert haben, sprudeln in Zeiten niedriger Ölpreise in dem skandinavischen Land nicht mehr so stark wie früher.

Beispiel USA: Tesla feiert in den USA einen Erfolg nach dem anderen. Der bisherige Höhepunkt dürfte die bejubelte Vorstellung des „Model 3“ gewesen sein. Als Grund wird schnell auf die Innovationsfreude der Amerikaner verwiesen. Die milliardenschweren Förderprogramme bleiben meist unerwähnt.

Mit rund 7500 Dollar bezuschusst der Staat den Kauf von E-Fahrzeugen. Über Förderprogramme für Elektromobilität hat die US-Regierung von 2010 bis 2015 rund 22 Milliarden Dollar in den Markt gepumpt.

Heute ist der Bestand an Elektrofahrzeugen der größte der Welt und zählte vergangenes Jahr nach Zahlen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Baden-Württemberg (ZSW) rund 400000 Stück auf seinen Straßen. Beim Verkauf waren die Zahlen zuletzt allerdings rückläufig. Wurden 2014 noch laut einer Forschungseinrichtung an der University of Chicago 118000 E-Mobile verkauft, waren es vergangenes Jahr nur noch 115000 – immerhin: Das entspricht gut zweimal dem Gesamtbestand an Elektrofahrzeugen in Deutschland.

Beispiel China: Gemessen am Absatz hat die Volksrepublik beim Thema E-Mobilität zuletzt alle anderen Länder hinter sich zurückgelassen. 214.000 Elektrofahrzeuge wurden laut ZSW-Zahlen allein im vergangenen Jahr in der Volksrepublik neu verkauft. Fast die Hälfte aller E-Autos, die weltweit in 2015 neu auf die Straße kamen, rollte in China ihres Weges. Gegenüber 2014 haben sich die Zulassungszahlen mehr als verdreifacht, gegenüber 2013 vervierzehnfacht.

Die chinesische Regierung will über den Markt der E-Mobilität hauptsächlich die heimische Automobil-Wirtschaft voranbringen – vor allem Konzerne wie BYD („Build your dreams“). Die volle staatliche Förderung erhalten Modelle, die in China entwickelt und dort auch gebaut wurden. Bis zu umgerechnet rund 7300 Euro ist dabei derzeit an staatlichen Geldern pro Auto drin.

Neben der Förderung der Industrie versucht Peking damit auch die Verkehrs- und Umweltprobleme in seinen Megastädten in den Griff zu bekommen. Milliarden Euro werden  in das Aufstellen öffentlicher Ladestationen gesteckt, die öffentlichen Bus-Flotten werden auf Elektro-Betrieb umgestellt. Bis Ende 2017 sollen 80 Prozent der Busse in Chinas Millionenstädten ökologisch nachhaltig unterwegs sein.

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erstellt am 03.Apr.2016 | 12:30 Uhr

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