zur Navigation springen

Reedereien rüsten auf : Maritime Wirtschaft im Visier der Hacker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Doch Andrew Kinsey der AGCS sagt, dass es eine einfache Tatsache sei, dass Sextanten nicht gehackt werden können.

Kiel/Hamburg | Schiffe auf falschem Kurs, Störungen auf Ölplattformen, umgelenkte Container – die moderne Schifffahrt sieht sich einer immer stärkeren Gefahr von Hacker-Angriffen gegenüber. Versicherungen und internationale Organisation sind in Sorge. Die Reedereien rüsten auf.

Zwar sei die Wahrscheinlichkeit einer Cyber-Attacke, die die Hälfte des Welthandels mit einem Schlag lahmlegt, gering und eher theoretischer Natur, sagt Sven Gerhard im Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS). Doch das Gefahrenpotenzial wachse, betont er. Schon seit längerem kritisieren Versicherer wie AGCS, dass die Unternehmen sich der Gefahren nicht ausreichend bewusst seien.

Dabei müssen Hacker nicht einmal die Schiffe selbst ins Visier nehmen, um Schaden anzurichten. Das zeigen die wenigen bekannten Fälle von Cyber-Attacken in der Maritimen Wirtschaft aus der Vergangenheit. So hatten Piraten aus Somalia Hacker beauftragt, in die Computer-Systeme von Reedereien einzudringen. Das Ziel: Sie sollten herausfinden, welche Schiffe mit lohnenswerter Fracht und nur geringen Sicherheitsvorkehrungen unterwegs sind. Diese Schiffe wollten sie dann gezielt kapern – zumindest in einem Fall soll das gelungen sein.

Für Andrew Kinsey von AGCS geht die Gefahr der Cyber-Angriffe auf Schiffe letztlich Hand in Hand mit jenem der E-Navigation, wie er in der „Safety and Shipping Review“ des Konzerns festhält. „Die einfache Tatsache ist, dass Du einen Sextanten nicht hacken kannst“, sagt er mit Blick auf die veränderte Sachlage an Bord der Schiffe.

Für die sogenannte E-Navigation tauschen die Schiffe Daten über vielerlei verschiedene Netzwerke aus – unter anderem über das Automatic Identification System (AIS), das in vielen Navigationsgeräten zum Einsatz kommt. Dass die Daten dieses Systems jedoch manipulierbar sind – und Schiffe sich so auf Irrfahrt schicken lassen –, haben Sicherheitsunternehmen bereits in der Vergangenheit gezeigt.

„Heutzutage sind alle computergestützten Systeme indirekt oder direkt Cyber-Risiken ausgesetzt“, beschreibt die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd den Sachstand. „Solange technische Systeme über Computer-Netzwerke miteinander und mit dem Internet verbunden sind, können entsprechende Angriffe nicht ausgeschlossen werden.“ Bei den eigenen Schiffen setzt die Reederei daher nach eigenen Angaben „alle sicherheits- und schiffsführungsrelevanten Systeme der Schiffe autark und ohne Verbindung zu externen Netzwerken ein“.

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 15:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen