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Ersatzteil-Engpass : Marine-Misere: Deutschlands U-Boote sind alle kaputt

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Mit der Havarie von „U 35“ vor Norwegen ist bis Ende 2018 keines der sechs deutschen U-Boote einsatzfähig. Die Marine nennt Ersatzteilmangel wegen Einsparungen als Grund.

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erstellt am 19.Okt.2017 | 12:32 Uhr

Kiel | Deutschland verfügt zurzeit über kein einsatzfähiges U-Boot. Nach einem Unfall von „U 35“ bei einer Testfahrt am vergangenen Sonntag vor der norwegischen Küste liegt nun auch das letzte der insgesamt sechs Unterwasserfahrzeuge zur Reparatur im Dock. Erst Ende 2018 sollen vier der U-Boote wieder einsatzfähig sein. Schuld ist nach Angaben der Marine die schlechte Versorgungslage mit Ersatzteilen.

„Bei einem Tauchmanöver zur Tiefwassererprobung stieß U 35 mit dem X-Ruder wohl gegen einen Felsen“, erklärt Kapitän zur See Johannes Dumrese, Sprecher des Marinekommandos in Rostock. Dabei sei eines der vier Ruderblätter stark beschädigt worden. Das U-Boot fuhr anschließend zur Untersuchung nach Kiel in die TKMS-Werft, wo es am Mittwoch eintraf. Damit liegen nun vier der sechs deutschen U-Boote in der Kieler Werft.

<p>Die „U 35“ im Jahr 2015 bei einem Tauchversuch.</p>

Die „U 35“ im Jahr 2015 bei einem Tauchversuch.

Foto: Presse- und Informationszentrum Marine

Wann „U 35“ wieder einsatzbereit sein wird, ist noch offen. „Am Montag wissen wir mehr“, so Dumrese. Dann sollen die Untersuchungen am Ruder abgeschlossen sein. Dumrese: „Möglicherweise ist das Ruderblatt nicht zu stark beschädigt. Dann kann es relativ schnell repariert werden.“ Andernfalls könne man vielleicht übergangsweise das Ruderblatt eines anderen der brachliegenden U-Boote verwenden. Oder das Ersatzteil muss neu beschafft werden. Und hier liegt das Problem, das die gesamte deutsche U-Boot-Flotte betrifft.

Mangel an Ersatzteilen führt zu langen Ausfällen

„Während des Kalten Krieges wurde bei jedem Rüstungsprojekt ein umfangreiches Ersatzteilpaket beschafft und eingelagert“, sagt Dumrese. „So waren immer ausreichend Ersatzteile vorhanden.“ Nach Ende des Kaltes Krieges habe man im Zuge von Abrüstung und Einsparungen von der Einlagerung von Ersatzteilen Abstand nehmen müssen. „Just-inTime“- Produktion, also die Herstellung auf Nachfrage hin, sollte das alte System ersetzen. „Das hat aber nicht wirklich funktioniert“, so Dumrese. Von der Panne bis zur Lieferung des nötigen Bauteils vergehe einfach zu viel Zeit.

„Wir haben aber jetzt gegengesteuert“, freut sich Johannes Dumrese zu berichten. Von der massiven Erhöhung des Verteidigungsetats profitiert auch die Marine. „Mit der Beschaffung von U 35 und U 36 wird jetzt auch die Versorgungsreife für alle U-Boote hergestellt.“ Heißt: Ersatzteile sollen künftig schneller zur Verfügung stehen. Zu diesem Zweck habe man mit der Industrie einen Instandsetzungs-Rahmenvertrag geschlossen. Dieser soll künftig dazu führen, dass Ersatzteile schneller angefordert werden können, ohne jedes Mal neu verhandeln zu müssen. Dies werde auch zu kürzeren und besser planbaren Werftliegezeiten der U-Boote führen. Dumrese: „Es ist uns gelungen, wirklich wichtige Maßnahmen einzuleiten, um die Situation zukünftig zu verbessern.“

Bis November 2018 sollen vier der sechs Boote wieder fit sein, ein weiteres möglicherweiese zumindest für Testfahrten zur Verfügung stehen.

Das ist los mit den sechs deutschen U-Booten:

Vier der U-Boote liegen zur Instandsetzung und Inspektion bei der TKMS-Werft in Kiel. Zwei warten in Eckernförde auf einen freien Platz in der Kieler Werft.

U-Boot Indienststellung liegt in Zustand
U 31 Oktober 2005 Kiel Durchlief eine fällige Wartung und wurde bereits am 10. Oktober ausgedockt, muss aber noch bis ins nächste Jahr hinein Überprüfungen durchlaufen, bevor es wieder einsatzbereit ist.
U 32 Oktober 2005 Eckernförde Auf einer Fahrt nach Norwegen trat ein Schaden an den Batterien auf. Zurzeit wartet das U-Boot auf einen Starttermin für seine Instandsetzung in Kiel.
U 33 Juni 2006 Kiel Wird noch bis Februar 2018 gewartet. Die anschließenden Überprüfungen dauern voraussichtlich drei bis vier Monate.
U 34 Mai 2007 Eckernförde Soll ab Januar 2018 nach Kiel zur Wartung. Wann es wieder einsatzbereit ist, ist noch nicht absehbar.
U 35 März 2015 Kiel Stieß am 15. Oktober bei einem Tauchgang vor Norwegens Küste vermutlich gegen einen Felsen und liegt seit dem 18. Oktober in der Werft. Am 23. Oktober sollen die Untersuchungen zum Schaden am Ruderblatt Ergebnisse liefern.
U 36 Oktober 2016 Kiel Das neueste U-Boot ist bereits fertiggestellt, muss allerdings noch bis Mai 2018 letzte Überprüfungen durchlaufen.
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