zur Navigation springen

Focus, Spiegel, Stern : Magazinlandschaft im tiefen Wandel

vom

Der deutsche Zeitschriftenmarkt ist mächtig in Bewegung - zumindest hinter den Kulissen. Beim „Spiegel“ wird über Strukturen debattiert, beim „Stern“ und jetzt auch beim „Focus“ wechseln die Chefredakteure.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2014 | 16:23 Uhr

Berlin | Neuer Chefredakteur beim „Stern“, viele Diskussionen beim „Spiegel“ und jetzt überraschend eine Ablösung an der Spitze des „Focus“: Deutschlands führende Magazine machen viel von sich reden. Die Gründe mögen in der Einzelfallbetrachtung verschieden sein, doch eines eint die Zeitschriften, die um die Vormachtstellung auf Deutschlands Zeitschriftenmarkt kämpfen: Die Auflagenzahlen sinken.

Die Menschen geben verstärkt dem Internet und den digitalen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets den Vorzug, um sich über das Weltgeschehen zu informieren. Dadurch haben sich alltägliche Gewohnheiten verändert: Statt am Frühstückstisch in der Zeitung oder abends in der Zeitschrift zu blättern, wird auf Handy oder Tablet gescrollt. Solche Veränderungen haben sich in den Verlagen in rückläufigen Auflagenzahlen bemerkbar gemacht. Die Auflage des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ lag im 2. Quartal 2014 bei 874.111 verkauften Exemplaren (IVW-geprüft), davon werden 48.579 als E-Paper (elektronisches Heft) ausgewiesen. Vor zwei Jahren waren es noch über 900.000 verkaufte Exemplare gewesen. In früheren Zeiten war die Millionen-Auflage noch Standard.

Diese stattliche Zahl erreicht auch die „Wundertüte Stern“, die Ende des 20. Jahrhunderts schon im TV einen starken Konkurrenten bekommen hatte, längst nicht mehr. Dem jüngst ausgeschiedenen Chefredakteur Dominik Wichmann - auf ihn folgt Christian Krug - wurde bei seinem Abgang daher die rückläufige Auflagenentwicklung nicht angekreidet. 2014 war die Zahl der verkauften „Stern“- Exemplare unter 800.000 gefallen, im 2. Quartal waren es 756.659.

Vielmehr wird bei Magazinen wie „Spiegel“ und „Stern“ an Konzepten gearbeitet, die Print- und Online-Redaktionen mit ihren Angeboten enger zu verzahnen. Außerdem suchen alle Verlage jenseits der Werbung nach weiteren Erlösquellen im Internet. Beim „Spiegel“ soll der Zugang zu „Spiegel Online“ jedoch kostenlos bleiben und der gedruckte „Spiegel“ in seiner digitalen Version neu konzipiert werden. Auch für die Inhalte auf „stern.de“ müssen Nutzer nichts bezahlen. Und auch der Verlag Hubert Burda Media lastet seinem scheidenden Chefredakteur Jörg Quoos nicht die sinkende Auflage an. „Jörg Quoos und das Unternehmen sind unterschiedlicher Auffassung bezüglich der künftigen Ausrichtung des Magazins“, teilte der Verlag am Dienstag in München mit und verkündete, dass neuer Mann an der Spitze des Magazins der frühere Chef der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ („WAZ“), Ulrich Reitz, werde.

Rund 20 Monate war Quoos im Amt, bei der Uli-Hoeneß-Steueraffäre und der Gurlitt-Sammlung mischte der „Focus“ ganz vorne mit. Die Zahl der Leser stieg sogar nach Verlagsangaben leicht auf gut 4,5 Millionen pro Heft. Doch bei der verkauften Auflage zeigte die Richtung nach unten: Im zweiten Quartal lag sie bei rund 498.000 Exemplaren, ein Jahr zuvor noch bei etwa 541.000. Im laufenden Quartal sei jedoch eine Trendwende in der Auflagenentwicklung herbeigeführt worden, hieß es von Burda. Dies würden die IVW-Zahlen im September belegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen