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Sparkurs : Lufthansa ringt um ihre Zukunft

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Bei der Lufthansa häufen sich die Probleme. Hat der neue Chef Carsten Spohr die Kraft, das Ruder herumzureißen? Mit der Belegschaft sucht er den Schulterschluss, die Aktionäre müssen zunächst verzichten.

Frankfurt am Main | Die Lufthansa ringt um ihre Zukunft. Ihr erst vor knapp zehn Monaten ernannter Chef Carsten Spohr muss an allen Fronten kämpfen und neue Geschäftsfelder erschließen. Zum anhaltenden Dauerzwist mit den Piloten könnte nun neuer Ärger mit den Anteilseignern kommen, die nach den Vorstellungen des Vorstands für 2014 auf eine Dividende verzichten müssen.

Die Hiobsbotschaft eines 723 Millionen Euro schweren Verlustes nach deutscher Rechnungslegung (HGB) kam nur einen Tag nach einer großen Personalversammlung in Frankfurt, die eigentlich ein Aufbruch werden sollte. Spohr und sein Passage-Vorstand Karl Ulrich Garnadt haben bei der verunsicherten Mannschaft für ein „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ geworben, allerdings wenig Konkretes vorgestellt.

Die simple Botschaft lautet: Wenn es gemeinsam gelingt, die Kosten zu senken, ist auch bei der Kerngesellschaft Lufthansa Passage wieder Wachstum möglich. Bis 2020 könne die Flotte um 27 Flugzeuge wachsen und die Besatzung um 1800 Köpfe, verspricht die Lufthansa-Spitze.

Trotz fehlender konkreter Sparvorschläge hat ein Teil der Belegschaft Hoffnung geschöpft. Der Vorstand habe viele üble Gerüchte um drohende Stellenstreichungen abgeräumt, berichtet der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Dass nun in einer Art Burgfrieden bis zum Sommer konkrete Maßnahmen ohne ständig neue Sparvorschläge gemeinsam überlegt werden sollten, sei positiv.

Auf die Wachstumsversprechen könne man den Vorstand später festnageln. Weniger optimistisch zeigte sich die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). „Ich habe nichts Neues gehört“, sagte ein VC-Sprecher hinterher. Der tiefgehende Tarifkonflikt mit den Piloten ist keineswegs ausgeräumt und auch mit den verträglicheren Ufos kann es noch schwierig werden, wenn Pensionen und Übergangsansprüche Tausender Flugbegleiter zusammengestrichen werden sollen.

Die Verhandlungen sind bereits einmal gescheitert. Gewerkschaft und Lufthansa konnten sich danach noch nicht einmal auf einen gemeinsamen Schlichter einigen, sondern benannten mit Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Friedrich Merz (CDU) eine Doppelspitze wie Feuer und Wasser.

Den Piloten passt die ganze von Spohr eingeschlagene Richtung nicht, innerhalb des Konzerns vor allem die Billigangebote zu päppeln, um gegen Konkurrenten wie Ryanair und EasyJet bestehen zu können. Auf der Billig-Plattform „Eurowings“ werden künftig Crews beispielsweise der deutsch-türkischen SunExpress um die Welt fliegen - zu Gehältern, die 30 bis 40 Prozent unter denen der alteingesessenen Lufthanseaten liegen.

Die Personalrekrutierung sei kein Problem, berichtet SunExpress-Chef Paul Schwaiger: „Piloten gibt es in Europa genug.“ Ob mit den neuen Angeboten auch auf der Langstrecke tatsächlich Geld verdient werden kann, bezweifeln nicht nur die Piloten. Sie weisen auf das Vorbild der British Airways, die sich längst aus der umkämpften Kurz- und Mittelstrecke verabschiedet hat und nun kostengünstig und lukrativ London-Heathrow mit dem Rest der Welt verbindet.

Die Lufthansa muss wie auch ihr noch stärker gebeutelter Konkurrent Air France/KLM weiter sparen. Im vergangenen Jahr hat der Dax-Konzern als Ballast bereits die eigenen Rechenzentren an IBM ausgelagert und muss dafür kräftig draufzahlen, allein rund 200 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für die auch nach internationalen Regeln dürftigen Zahlen sorgten aber auch Fehlspekulationen bei der Kerosin-Preissicherung und die steigenden Pensionslasten.

Der Sparkurs geht weiter: Laut „Manager Magazin“ bereitet die Lufthansa-Führung mit der Unternehmensberatung McKinsey eine umfassende Neuorganisation des Managements vor. Während die Lufthansa bisher stark auf die Eigenständigkeit ihrer Töchter Swiss und AUA baute, soll künftig deutlich mehr zentral erledigt werden.

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erstellt am 20.Feb.2015 | 17:42 Uhr

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