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Streik aktuell : Lufthansa: Etliche Flüge von und nach Hamburg wegen Pilotenstreik gestrichen

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Der ausgeweitete Pilotenstreik trifft die Lufthansa hart. 1000 Flüge fallen aus, und 140 000 Passagiere bleiben am Boden.

Hamburg | Der Streik der Lufthansa-Piloten führt am Mittwoch zu Einschränkungen des Flugverkehrs am Hamburger Flughafen. Die Lufthansa hat die meisten Flüge zwischen Hamburg und den Flughäfen Frankfurt und München gestrichen. Von den jeweils 14 geplanten Hin- und Rückflug-Verbindungen zwischen Hamburg und München fallen voraussichtlich zwölf aus. Von und nach Frankfurt sind jeweils 15 von 18 geplanten Flügen gestrichen. Somit bleiben nach München zwei Lufthansa-Flüge um 10 Uhr und 15 Uhr sowie drei Frankfurt-Flüge um 9 Uhr, 14 Uhr und 18 Uhr. Die Passagiere müssen auf andere Verkehrsmittel ausweichen oder auf ihre Reise verzichten.

Aktuelle Fluginformationen für betroffene Passagiere gibt es hier.

Insgesamt fielen am Mittwoch rund 1000 Flüge von 1520 Flügen auf der Kurz- und Mittelstrecke aus. Während an den kleineren Flughäfen wie Hannover kein einziger Kranich-Flug mehr rausging, starteten von den Drehkreuzen München und Frankfurt die meisten Langstreckenflieger mit deutlich gelichteten Sitzreihen, denn die Zubringerflüge blieben aus.

Es ist der 13. Streik in dem laufenden Tarifkonflikt. In bislang zwölf Streikrunden seit April 2014 hat er der Lufthansa nach deren Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt. Vordergründig geht es um die Übergangsrenten der Piloten zwischen Ausscheiden aus dem aktiven Dienst und der Rente. Erklärtes Ziel der Gewerkschaft ist es aber auch, den Ausbau des Billigfliegers unter der Marke Eurowings zu bekämpfen.

In Frankfurt bildeten sich an den Schaltern lange Schlangen von Passagieren, die auf einen der wenigen ausgehenden Flüge hofften oder umgebucht werden wollten. Über ihren Köpfen zeigte die große Anzeigetafel bei nahezu jedem Lufthansa-Flug den Hinweis „Annulliert“. Rund 140.000 Passagiere waren nach Lufthansa-Schätzungen insgesamt von den Ausfällen betroffen.

Das Unternehmen setzt am Mittwoch seine Bemühungen fort, den Streik juristisch zu stoppen. Die Fluggesellschaft war am Dienstag vor den Arbeitsgerichten Frankfurt und Köln mit dem Versuch gescheitert, den Streik per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen. Nach Auffassung der Richter ist der Ausstand verhältnismäßig und verfolgt auch keine streikfremden Ziele. In beiden Verfahren ist Lufthansa in die Berufung gegangen, über die die Landesarbeitsgerichte noch am Mittwoch entscheiden wollten.  Das Landesarbeitsgericht Köln wird frühestens am Mittwochmittag über ein mögliches Pilotenstreik-Verbot entscheiden. Der laufende Ausstand, der 13. seit April 2014, dürfte somit zunächst nicht zu stoppen sein.

Hintergrund: Darum wird gestreikt

In den bislang zwölf Streikrunden des laufenden Tarifkonflikts hat die VC der Lufthansa nach deren Angaben rund 330 Millionen Euro an Schaden zugefügt. Offizieller Streikgrund bleiben die Übergangsrenten der etwa 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Es geht aber auch um die künftige Unternehmensstrategie mit der geplanten Billigschiene Eurowings. Lufthansa will hier ausschließlich Piloten einsetzen, die deutlich geringere Gehälter erhalten. In einer Reaktion lehnte es das Unternehmen ab, künftig noch mit der Tarifkommission der VC über dieses Thema zu sprechen.

Die Piloten hatten seit März nicht mehr gestreikt, sich im Sommer aber nicht mit der Lufthansa auf eine neue Tarifstruktur einigen können. Sie werfen dem Konzern Tarifflucht vor, weil bei Eurowings Arbeitsplätze zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden sollen. Das Management begründet die Pläne mit dem hohen Kosten- und Konkurrenzdruck durch Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet.

Lufthansa hat auch eine Schadenersatz-Klage über 60 Millionen Euro angekündigt. Die Piloten hätten sich bei der ersten Streikrunde im April 2014 nicht rechtmäßig verhalten, weil damals zumindest bei der Tochter Lufthansa Cargo der angegriffene Tarifvertrag noch gültig gewesen sei.

Zudem wiederholte das Management, dass zu den aktuellen Bedingungen des Konzerntarifvertrags kein Pilot mehr eingestellt werde, weil die Kosten nicht wettbewerbsfähig seien. Wegen der natürlichen Fluktuation werden daher die Flotten der betroffenen Airlines Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings schrumpfen. Den Bestandspiloten sichert die Lufthansa ihre Besitzstände zu. Sie werden auch künftig ihren Arbeitsplatz im Konzern behalten.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte die Lufthansa auf, sich nicht hinter juristischen Positionen zu verstecken. „Der Konzernvorstand muss endlich erkennen, dass ein Dienstleistungsunternehmen nicht gegen das eigene Personal geführt werden kann“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl. Die Gewerkschaft sei bereit, zukunftsfähige Strukturen mitzugestalten.

Für innerdeutsche Strecken wurden die Fluggäste auf die Bahn verwiesen, zudem sollten auch Jets anderer Gesellschaften aus dem Lufthansa-Konzern eingesetzt werden. Nicht vom Streik betroffen waren Linienflüge der Lufthansa-Tochter Germanwings und der anderen Konzerngesellschaften wie Swiss oder AUA.

Mein Flug fällt aus. Welche Rechte habe ich?

Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei  Verspätungen ab zwei Stunden mit Essen und Getränken zu versorgen sowie Zugang zu Kommunikationsmitteln zu ermöglichen. Dies gilt für Flüge bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden Wartezeit.

Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, können kostenfrei stornieren oder umbuchen.

Was kann ich konkret vor Reiseantritt tun?

Lufthansa rät allen Passagieren, sich vor Antritt ihrer Reise im Internet über den Status ihres Flugs zu informieren. Auf der Lufthansa-Homepage können Kunden unter „Meine Buchungen“ den Status ihrer Flüge einsehen. Eventuell werden dort bereits Ersatz-Flüge angezeigt. Das Service-Center der Lufthansa steht bei Fragen unter Tel.:  0800/850 60 70 zu Verfügung. Der Anruf ist kostenfrei.

Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?

Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Passagiere, die innerhalb Deutschland reisen, dürfen die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Dafür muss das Ticket online oder an einem Lufthansa Check-in Automaten umgebucht werden.

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern.

Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Was bedeutet Ersatzbeförderung genau?

Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei einem kürzeren Streik von nur wenigen Stunden kann es reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Dauert der Ausstand länger, müssen die Airlines und Reiseveranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen - und von dort aus zum gewünschten Ziel.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtssprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks der Fall. Eine Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

 
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erstellt am 09.Sep.2015 | 10:39 Uhr

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