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Insolvente Fluggesellschaft : Lufthansa: Air-Berlin-Lücken im Flugplan nicht zu schließen

vom

Am Freitag stellt Air Berlin den Flugbetrieb ein. Bis zu 90 Maschinen bleiben am Boden. Das sei kaum zu kompensieren, erklärt der Lufthansa-Chef.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 14:57 Uhr

Frankfurt/Main | Mit dem Ende von Air Berlin entstehen deutliche Lücken in den deutschen Flugplänen, die nach Ansicht von Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht so schnell zu schließen sein werden. Von rund 140 Air-Berlin-Maschinen blieben ab Samstag 80 bis 90 am Boden, erklärte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch in Frankfurt. „Das kann niemand kompensieren, auch die Lufthansa nicht.“ Air Berlin stellt an diesem Freitag den Flugbetrieb ein.

Der Flugverkehr werde daher in den kommenden Monaten deutlich „ruckeln“, kündigte Spohr an. Eine Stabilisierung sei erst zum Sommer möglich, eine Optimierung gar erst im Winter 2018/2019. Sämtliche Fluggesellschaften des Kranich-Konzerns – neben der Kernmarke Lufthansa und Eurowings sind das Swiss und Austrian – setzten in nächster Zeit auf den Strecken vor allem nach Berlin und Düsseldorf größere Flugzeuge ein, um die Nachfrage zu befriedigen, sagte Spohr.

Im Video – zehn Fakten zu Air Berlin:

 

Die frei werdenden Start- und Landerechte von Air Berlin sollen nach Spohrs Worten im November auf der regelmäßigen Slot-Konferenz der Internationalen Airline-Organisation IATA abgestimmt werden und zum kommenden Sommerflugplan ab Ende März in Kraft treten. Bis dahin werde es immer wieder Verschiebungen geben. Die Lufthansa-Gruppe werde sich „natürlich“ um weitere Slot-Rechte bewerben, sagte Spohr. Mit dem noch nicht genehmigten Kauf der beiden Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sind bereits Start- und Landerechte verbunden.

Air-Berlin-Angestellte bangen um ihre Jobs

Unterdessen will die Personalvertretung der Flugbegleiter von Air Berlin auf dem Rechtsweg Massenentlassungen bei der insolventen Fluggesellschaft verhindern. Mit diesem Ziel hat sie beim Arbeitsgericht Berlin einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch sagte. Darin werde gefordert, Kündigungen zu verbieten, weil es mit dem Arbeitgeber keine Verhandlungen über einen Sozialplan gegeben habe.

Das Gericht wird nach eigenen Angaben am 2. November darüber beraten und aller Voraussicht nach auch am selben Tag entscheiden. In dem Antrag verlange die Personalvertretung auch, dass ihr sämtliche Gebote im Bieterverfahren für Air Berlin vorgelegt werden. Außerdem fordere sie, Air Berlin zu untersagen, den Flugbetrieb einzustellen.

Bund fordert bei Air Berlin bedeutenden Einsatz der Länder

Beim Ringen um eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter der insolventen Air Berlin sieht die Bundesregierung zunächst die Bundesländer in der Pflicht. Entscheidend sei „eine substanzielle Beteiligung der Länder“, betonte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Einrichtung einer Transfergesellschaft sei grundsätzlich eine Aufgabe des Unternehmens und der betroffenen Bundesländer, nicht des Bundes. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies zudem darauf, dass der Bund bereits durch das Transferkurzarbeitergeld der Bundesarbeitsagentur an einer solchen Lösung beteiligt wäre.

Eine Transfergesellschaft soll tausende Air-Berlin-Beschäftigte vor der Arbeitslosigkeit bewahren und den Übergang in neue Jobs erleichtern. Dafür werden bis zu 50 Millionen Euro benötigt, Air Berlin will selbst 10 Millionen Euro beisteuern. Die Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen haben ebenfalls eine Beteiligung in Aussicht gestellt. Bayern will sich hingegen nicht beteiligen. An diesem Mittwoch treffen sich die drei Bundesländer erneut mit dem Bund, der in den Gesprächen durch das Wirtschaftsministerium vertreten wird.

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