Urteil des Europäischen Gerichtshofs : Lockangebote: So tricksen die Billigflieger

Lockangebote sind verboten, doch viele Airlines halten sich laut Verbraucherzentrale nicht daran. shz.de gibt Tipps.

Margret Kiosz von
15. Januar 2015, 12:28 Uhr

Für 19,90 Euro nach Barcelona – hört sich super an, doch das dicke Ende kommt, wenn die Zusatzkosten wie Kerosinzuschlag, Flughafengebühr und der Extra-Zuschlag für Kreditkartenbezahlung mit auf der Rechnung stehen. Aus vermeintlichen Schnäppchen werden dann oft teure Buchungen.

Solche Lockangebote von Airlines hat der Europäische Gerichtshof (Az.: C-573/13) in der vergangenen Woche untersagt. Bei der Buchung von Flugreisen im Internet muss der Endpreis für den Kunden auf den ersten Blick inklusive aller Kosten sichtbar sein. Das gelte nicht nur für den vom Kunden ausgewählten Flug, sondern auch für alternative Verbindungen. Verbraucherschützer sehen das Urteil als weiteres Signal zur Stärkung der Kundenrechte.

Die EU-Gesetzgebung schreibt auch vor, dass der Kunde Extras wie Hotels, Mietwagen oder Versicherungen bei der Online-Flugbuchung ausdrücklich wählen muss. Auch in diesem Fall hatte der Luxemburger Gerichtshof schon die Rechte von Verbrauchern gestärkt, weil Billig-Fluggesellschaften in der Vergangenheit solche Zusatzleistungen einfach automatisch beim Online-Ticketkauf dazugebucht hatten.

Reiseanbieter sind verpflichtet, beim Verkauf von Flugreisen zusätzliche Nebenleistungen so darzustellen, dass Verbraucher diese durch Anklicken selbst auswählen können (Opt-In-Verfahren). Nicht erlaubt ist, eine bereits voreingestellte Auswahl der Nebenleistungen, die der Verbraucher entfernen muss (Opt-Out-Verfahren). Auch muss die Darstellung für den Verbraucher klar, transparent und eindeutig am Beginn jedes Buchungsvorgangs erfolgen.

„Viele Anbieter befolgen die Verordnung weiterhin nicht“, beklagt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Sie begrüßt daher ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main. In dem Streitfall ging es um die Fluggesellschaft Ryanair. Hier musste der Kunde während der Buchung in einer mit „Wählen Sie ein Wohnsitzland“ überschriebenen Drop-down-Box die Angabe „Nicht versichern“ zwischen den dort aufgeführten Ländernamen auswählen. Nur so konnte er den Abschluss der kostenpflichtigen Versicherung vermeiden. Das Gericht sah damit die Transparenzerfordernis verletzt. Die Abwahl der Leistung war schwerer als deren Buchung (Az. 6 U 148/13).

Darauf sollte man achten:

> Ist die Mitnahme von Gepäck im Preis enthalten? Wer für einen Wochenendtrip mit Handgepäck auskommt, hat Glück. Für Koffer verlangen Billig-Anbieter oft einen Aufpreis, der je nach Saison, Route und Gewicht mit 20 bis 40 Euro pro Strecke zu Buche schlägt.

< Für die Buchung mit Kreditkarte erheben viele Fluglinien und auch Buchungsportale eine Extrapauschale, meist in Höhe von 7,50 Euro. Seit Juni sind die Onlineportale zwar gesetzlich verpflichtet, mindestens eine kostenfreie Bezahlmöglichkeit anzubieten, häufig wird hier dann aber die firmeneigene Kreditkarte angegeben oder teure Kreditkarten-Typen.

>Angeboten werden häufig teure Service-Pakete mit Reiserücktrittsversicherungen, Vergünstigungen bei Umbuchungen und Hotline-Nutzung .

Kostspielig wird es, wenn der Name auf dem Ticket geändert werden soll (gut 40 Euro), auf einen anderen Flug umgebucht (bis zu 50 Euro) oder per Telefon gebucht wird. Aus einem Fug von Berlin nach Mallorca und zurück zum Angebotspreis von 115 Euro wurde, so wie die Verbraucherzentrale kürzlich nachrechnete, allein durch Koffer, Speedy Boarding und Bezahlung per Kreditkarte über 200 Euro.

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