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Wirtschaft

20. Oktober 2017 | 18:26 Uhr

Lehrlinge sind unzufrieden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gewerkschaftsbund: Vor allem Auszubildende in Hotels und Gaststätten klagen über schlechte Bedingungen

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 15:39 Uhr

Sophie kann nur noch der Arzt helfen. Bei Dr. Azubi, einem Online-Portal des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), klagt die junge Frau aus dem Raum Schleswig darüber, wie ihr Arbeitgeber ihr hinterherspioniert, weil sie sich krank gemeldet hat. „Gestalkt“ werde sie, sagt die Auszubildende, die im Hotel- und Gaststättengewerbe lernt.

Wie ihr geht es offenbar vielen Lehrlingen, glaubt man dem Ausbildungsreport, den der DGB gestern vorgelegt hat. Demnach sind nur 71,4 Prozent der Azubis in Deutschland mit ihrer Ausbildung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“, vor fünf Jahren waren es noch 75,5 Prozent. So unzufrieden waren die Azubis noch nie, zumindest wenn man die DGB-Studien der vergangenen Jahren betrachtet. In Schleswig-Holstein sind sogar nur 66,1 Prozent mit den Bedingungen ihrer Ausbildung glücklich. Vielleicht liegt es daran, dass nur rund 50 Prozent von ihrem Lohn leben können. Aber die Hauptschuldigen für den besonderen Trend im Norden hat die Bezirksjugendsekretärin des DGB-Nord, Jeanine Weigel, ausgemacht. „Die Ausbildung in vielen Betrieben im Hotel- und Gaststättengewerbe ist katastrophal.“ Oft gebe es nicht wie gesetzlich vorgeschrieben einen Ausbildungsvertrag, und oft sei der Ausbilder auch nur selten vor Ort. „Wir hören immer wieder Klagen vor allem von den Inseln, wo Auszubildende eingestellt, aber wenn die Saison zu Ende ist, wieder entlassen werden.“ Überstunden seien an der Tagesordnung, die Bezahlung entspreche nicht dem, was die Azubis leisten. „Wir empfehlen den Auszubildenden genau hinzuschauen, und im Zweifel raten wir von einer Ausbildung in diesem Bereich auch ab.“

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Schleswig-Holstein findet die Kritik „zu pauschal“, wie Geschäftsführer Thorsten Ohm sagt. „Natürlich gibt es bei uns schwarze Schafe, wir haben auch von den Problemen auf den Inseln gehört. Aber wenn uns Missstände gemeldet werden, versuchen wir sofort, diese zu beheben.“ Die Lage als katastrophal zu bezeichnen, sei „unsinnig und verunglimpfend“. Der Dehoga sei selbst an guter Ausbildung interessiert. Aber oft würden Jugendliche eine Ausbildung beginnen, die durch Defizite im schulischen oder sozialen Bereich den Anforderungen nicht entspräche. Dabei sei es nicht leicht, Azubis zu finden.

In der Tat: Im August registrierte die Arbeitsagentur in Schleswig-Holstein 3639 freie Lehrstellen, so wurden etwa 231 Köche gesucht, aber nur 73 Jugendliche wollten diesen Beruf auch erlernen. Im Hotelgewerbe gab es 157 freie Jobs, aber nur 40 Bewerber. Und ins Restaurantfach wollten nur 45 junge Leute, dem gegenüber stehen aber 141 freie Stellen.

Der DGB fordert, dass die Betriebe schleunigst die Ausbildungsbedingungen verbessern. Jeanine Weigel: „Denn so muss die Branche sich nicht wundern, wenn sie bei diesen Bedingungen nur schwer Azubis findet.“ Und denen könne auch nicht immer Dr. Azubi einen Rat geben.

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