Lehrling gesucht – Betriebe locken mit mehr Geld

Eine Auszubildende als Industriemechanikerin feilt an einem Metallstück
Eine Auszubildende als Industriemechanikerin feilt an einem Metallstück

Vergütungen steigen zum dritten Mal in Folge / Gewerkschaft sieht Nachholbedarf im Norden

shz.de von
07. Januar 2015, 13:18 Uhr

Deutschlands Ausbildungsbetriebe müssen sich immer stärker um Nachwuchs bemühen. Das zeigt sich auch im Geldbeutel von Auszubildenden und Lehrlingen. Zum dritten Mal in Folge sind die Ausbildungsvergütungen in 2014 gestiegen , wie der neue Bericht des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigt. Doch klar ist auch: Die Unterschiede zwischen Branchen und Regionen sind mitunter groß.


Große Unterschiede nach Branchen


Top-Verdiener unter den Lehrlingen sind den Experten zufolge nach wie vor die Maurer (1030 Euro). Der Durchschnitt von Deutschlands Azubis muss sich aber – soweit es nach den Tarifverträgen geht – mit deutlich weniger zufrieden geben. 802 Euro (+4,6 Prozent) gab es für den Nachwuchs im Westen im Schnitt, 737 Euro (+4,1 Prozent) im Osten. 795 Euro hat das BIBB als bundesweiten Wert errechnet.

Mit Blick darauf war es im Norden vor allem die Metall-Branche, die deutlich besser vergütet. Laut Arbeitgeberverband Nordmetall bekommen die Metall-Azubis 953 Euro im Monat – also rund 20 Prozent mehr als der deutsche Azubi-Durchschnitt.

Doch es geht auch anders. Deutlich am schlechtesten schneidet so das Friseurhandwerk ab – bundesweit. 474 Euro brutto werden durchschnittlich im Westen gezahlt, was einem Plus von gerade einmal fünf Euro oder gut einem Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Norden liegt nochmals darunter. Mit gerade einmal 443 Euro brutto sollten Friseurlehrlinge im nördlichsten Bundesland nach Zahlen des Verbands Handwerk Schleswig-Holstein rechnen. Und nur 269 Euro gibt es laut BIBB dann noch in den neuen Bundesländern.

„Die Richtung stimmt“, kommentiert der Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord (DGB), Uwe Polkaehn, die Zahlen. Aus seiner Sicht seien die Ausbildungsvergütungen aber „immer noch unzureichend – oft müssen die Eltern etwas dazugeben, um die Wohnung oder einen Urlaub zu finanzieren“. Zudem würden längst nicht alle Auszubildenden nach Tarif bezahlt.

Dabei kommen die steigenden Vergütungen keineswegs von ungefähr. Immer mehr Schulabgänger zieht es an die Hochschulen. Die Zahl der Auszubildenden sinkt. Vergangenes Jahr zählte die deutsche Wirtschaft so wenig Nachwuchskräfte wie zuletzt vor 25 Jahren.

So warnt auch der DGB-Vorsitzende Polkaehn: „Der Norden als Lohnkeller der Nation hat auch bei den Ausbildungsvergütungen einen großen Nachholbedarf.“ Wenn Schulabgänger in den Hotels und Gaststätten Hessens rund 200 Euro mehr pro Monat bekämen, sei das keine Werbung für die Unternehmen in Norddeutschland, so Polkaehn weiter.

Der zum Jahresende ausgelaufene Tarifvertrag für das Gastgewerbe im Norden sah zuletzt 560 Euro im Schnitt in 2014 vor. Für angehende Köche und Restaurant-Fachleute in Westdeutschland hat das BIBB, das 179 Berufe in den alten Bundesländern und 156 in den neuen ausgewertet hat, hingegen eine durchschnittliche Vergütung von 705 Euro errechnet.

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