zur Navigation springen

Langsam in Rente: Mit 60 nur eine Drei-Tage-Woche?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Chemie-Gewerkschaft will mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit / DGB Nord unterstützt die Forderung

Weniger Arbeiten im Alter! Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) unternimmt die Vorreiterrolle: Sie will die Fünf-Tage-Woche für ältere Beschäftigte abschaffen – mit Lohnausgleich. „Ab 60 Jahren sollen künftig auch eine Drei- oder Vier-Tage-Woche möglich sein“, sagte Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer Peter Hausmann gestern. Es gehe darum, die Belastungen zu verringern, „dann können die Beschäftigen auch länger in den Betrieben gehalten werden“. Auch die Politik sei gefordert, für tragfähige Rahmenbedingungen zu sorgen, erklärte die IG BCE in Hannover. Sie will diese Forderung in den Tarifverhandlungen im kommenden Jahr durchsetzen.

Beifall für den Vorschlag kommt von Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB-Nord. „Je mehr ältere Menschen es im Betrieb gibt, desto dringlicher wird es, ihre Arbeitssituation so zu gestalten, dass sie durchhalten können“, sagte er gestern unserer Zeitung in Kiel. Firmen, die Fachkräfte halten wollen, „werden um flexible Wochenarbeitszeiten und betriebliche Gesundheitsförderung nicht herumkommen“, so Polkaehn. Das Thema Arbeitszeit werde in den kommenden Tarifrunden eine immer größere Rolle spielen. Die DGB-Gewerkschaften insgesamt fordern flexible Übergänge von der Arbeit in die Rente, „daran haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein gemeinsames Interesse“, betonte der DGB-Nord-Chef.

Inzwischen gibt es bei der IG BCE auch schon konkrete Vorschläge, wie eine Drei-Tage-Woche finanziell abgefedert werden soll. Von der Rentenkasse sollen die Beschäftigten eine Teilrente, vom Arbeitgeber einen Lohnausgleich erhalten. „Wir wollen einen Lohnausgleich, damit die Arbeit für die Beschäftigten attraktiv bleibt“, sagte Hausmann. „Hilfreich wäre es, wenn der Gesetzgeber eine Teilrente ab 60 möglich machen würde.“ Er erinnerte an die frühere Altersteilzeit, da habe es „rund 90 Prozent vom letzten Netto“ gegeben. Das sei von den Beschäftigten „gut akzeptiert“ worden. Das sieht Polkaehn genauso: „Und natürlich muss das so gestaltet sein, dass Arbeitnehmer von Teilrente und Lohnausgleich auch leben können.“

Für den Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) ist eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung ab 60 keine Option. Schon heute gebe es tarifliche Optionen zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit.

Das Thema Arbeitszeit soll auch in der kommenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie eine Rolle spielen. Die IG Metall hatte angekündigt, bei der zum Jahreswechsel anstehenden Runde neben höheren Löhnen auch neue Arbeitszeitmodelle durchzusetzen. Die Gewerkschaft will für möglichst viele Beschäftigtengruppen tarifvertragliche Arbeitszeitverkürzungen mit möglichst hohem Lohnausgleich herausholen.

Auch die Politik hat sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt: In der SPD gibt es Überlegungen, älteren Arbeitnehmern bei reduzierter Arbeitszeit als Ausgleich schon mit 60 Jahren eine Teilrente zu ermöglichen. Man wolle erreichen, dass jeder früher aufhören, aber auch länger arbeiten kann, so das Credo der Sozialdemokraten, die für eine sogenannte Flexi-Rente plädieren. Dazu solle es möglich sein, ab dem 60. Lebensjahr 30, 40, 50, 60 oder 70 Prozent Rente in Anspruch zu nehmen.



zur Startseite

von
erstellt am 17.Sep.2014 | 12:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert