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Messe „Seatrade Europe“ : Kreuzfahrt-Branche will Gespräch mit überlasteten Hafenstädten suchen

vom

Zwei Millionen Deutsche buchten im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt. Die Nachfrage ist höher als das Angebot.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 14:50 Uhr

Hamburg | Kreuzfahrten bleiben ein Renner im touristischen Angebot – und sie könnten sogar noch weiter zulegen. Die Reedereien wollen nun einen engeren Dialog mit den hochbelasteten Hafenstädten und der Öffentlichkeit suchen, um ihren Ruf zu verbessern. „Wir brauchen mehr Kommunikation, Zusammenarbeit und Absprachen mit den Hafenbehörden“, sagte zum Beispiel Neil Palomba, Präsident der Kreuzfahrtreederei Costa Crociere, am Mittwoch auf der Fachmesse „Seatrade Europe“ in Hamburg.

In einigen Städten habe sich eine „Touriphobie“ breitgemacht, also eine Abneigung gegen Touristen, weil viele Urlauber kämen und zum Beispiel Wohnungen an Touristen statt an Einheimische vermietet würden, sagte der Chef der Pullmantur-Gruppe, Richard J. Vogel. Die Kreuzfahrtschiffe seien aber nur ein Teil des Problems; die weitaus meisten Besucher von Städten wie Barcelona oder Venedig reisten mit dem Flugzeug an, sagte Vogel in Hamburg, wo sich Vorstandschefs führender Kreuzfahrt-Reedereien trafen.

Nachfrage nach Kreuzfahrten größer als das Angebot

Jahr für Jahr neue Rekordzahlen, aber auch zunehmende Engpässe bei der Bestellung neuer Schiffe und in einigen populären Hafenstädten – unter diesen Rahmenbedingungen kam die Kreuzfahrtbranche zu ihrer Messe „Seatrade Europe“ zusammen. Fast 25 Millionen Menschen buchten im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt, darunter zwei Millionen Deutsche. Allein in diesem Jahr sollen 26 große und kleine Fluss-, Hochsee- und Spezialkreuzfahrtschiffe dazukommen und auf ihre Jungfernreise gehen, heißt es beim Branchenverband CLIA. Damit sind neue Passagierrekorde quasi automatisch garantiert, denn neue Kapazitäten werden umgehend ausgelastet. Die Nachfrage ist größer als das Angebot.

Der Boom offenbart mittlerweile auch einige Schattenseiten. In populären Kreuzfahrthäfen wie Barcelona, Venedig oder Dubrovnik klagen Teile der Einheimischen über die Touristenfluten, die sich täglich aus den Kreuzfahrtschiffen über die Städte ergießen. Dazu kommt die Umweltbelastung durch die großen Schiffe, die in den meisten Häfen ihre Dieselmotoren laufen lassen müssen und nicht auf Landstrom zurückgreifen können. Schließlich klagen einige Reeder auch über zu wenig Nachschub an Schiffen. Weil nur wenige Werften die anspruchsvollen großen Kreuzfahrtschiffe bauen können, sind die Kapazitäten voll ausgelastet und die Veranstalter können nicht so viele neue Schiffe auf den Markt bringen, wie sie gern würden.

 

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