Misere bei ThyssenKrupp : Konzernchef: „Befreiungsschläge gibt es nicht“

Auch nach fast drei Jahren an der Konzernspitze ist ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger noch längst nicht am Ziel. Statt auf den ersehnten Befreiungsschlag setzt er nun auf viele kleine Schritte.

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30. November 2013, 20:29 Uhr

Essen | ThyssenKrupp bleibt eine große Baustelle. Konzernchef Heinrich Hiesinger jedenfalls hat allen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Misere beim Industriekonzern eine Absage erteilt. „Befreiungsschläge gibt es nicht“, stellte der seit Anfang 2011 amtierende Konzernchef am Samstag bei der Bilanzvorlage in Essen fest. Der von Siemens zu ThyssenKrupp gewechselte Manager hat Erfahrungen mit immer neuen unliebsamen Überraschungen sammeln müssen. „Es war kein einfaches Jahr“, sagte Hiesinger.

In der Vergangenheit war der Konzern mit milliardenschweren Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee ebenso in die Schlagzeilen geraten wie mit Kartellverstößen. Nach dem Verkauf des Edelstahlgeschäfts an den finnischen Konkurrenten Outokumpu holt Hiesinger nun eine weitere Baustelle wieder ein: ThyssenKrupp muss nun unter anderem das verlustreiche Problemwerk im italienischen Terni wieder zurücknehmen.

Im Stahlgeschäft in Übersee gelang dem Manager mit dem Verkauf des US-Werk zunächst nur ein Teilerfolg. Mit der Hütte in Brasilien bleibt dem Unternehmen der größte Verlustbringer erhalten, auch wenn ein langfristiger Liefervertrag dazu beitragen soll, die Probleme zumildern.

„Wir können die Vergangenheit nicht ändern“, so der Konzernchef. Ziel sei es nun, die Risiken und Baustellen konsequent abzuarbeiten - Schritt für Schritt. Gleichzeitig gehe es weiter darum, den Konzern umzubauen und an der Zukunftsfähigkeit zu arbeiten.

Doch angesichts einer durch die anhaltenden Milliardenverluste auf nur noch 7,1 Prozent dramatisch geschrumpften Eigenkapitalquote fehlt dafür das Geld. Bislang sind dem Konzernchef nur kleine Schritte gelungen. Frisches Geld soll nun eine Kapitalerhöhung bringen. Welche Auswirkungen dies auf die künftige Rolle der mächtigen Krupp-Stiftung hat, die bisher mit einem Anteil von mehr als 25 Prozent eine Sperrminorität hat, ist noch unklar.

Angesichts der massiven Probleme wird es noch dauern, bis das Ziel erreicht ist, den Essener Stahl- und Industrieriesen zu einem Technologiekonzern umzubauen. Dieser Prozess könne noch Jahre dauern. „Wir haben ein klares Ziel, und wir gehen unseren Weg zuversichtlich, mutig und entschlossen - ohne uns treiben zu lassen“, sagte Hiesinger.

Auch die Aktionäre müssen sich weiter gedulden. Eine Dividende gibt es erneut nicht. Die Aufräumarbeiten reißen bislang noch zu tiefe Löcher in die Bilanz.

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