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Einzelhandel : Konsumlaune in Deutschland: Warum SH nur teilweise profitiert

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Die Löhne steigen so stark wie lange nicht mehr. Die Verbraucher in Deutschland sind in Hochstimmung. Beim Einzelhandel im Norden „bleibt nicht viel liegen“.

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 11:12 Uhr

Kiel/Berlin | Die Deutschen haben wieder mehr Geld in der Tasche. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamt in Wiesbaden stiegen die Löhne real im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent – es ist der stärkste Anstieg seit Einführung der Erhebung im Jahr 2008. Eine niedrige Inflation macht es möglich. Die ersten Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie in Höhe von 3,4 Prozent lassen wiederum viele Beschäftigte auch in anderen Branchen auf ein kräftiges Lohnplus hoffen.

Die Konsumstimmung der Verbraucher steuert unter diesen Vorzeichen einem neuen Allzeithoch entgegen. Zumal sich das Sparen in Zeiten niedriger Zinsen für viele zunehmend weniger lohnt, die Sparneigung im Keller ist. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist die Bereitschaft der Deutschen daher, Geld auszugeben, derzeit so hoch wie zuletzt im Herbst 2001.

Der Einzelhandel im Norden profitiert davon. Branchenvertreter bestätigen die gute Stimmung grundsätzlich. Es laufe, heißt es. „Trotzdem bleibt beim Einzelhandel nicht viel liegen“, sagt Monika Dürrer vom Einzelhandelsverband Nord in Kiel. Zum einen machen andere Konsum-Möglichkeiten wie nicht zuletzt der Online-Handel den Geschäften in den Innenstädten Umsatz streitig. Zudem sinkt der Anteil der möglichen Konsumausgaben.

Gerade einmal noch 27 Prozent des Haushaltseinkommens geben die Schleswig-Holsteiner nach Angaben von Dürrer noch für den Konsum aus. Tendenz fallend. „Irgendwann ist dieser Trend nach unten natürlich auch gestoppt“, räumt sie ein und fügt hinzu, dass Deutschland zudem „noch immer ein sehr preissensibles Land“ sei. Das Geld wird also für Reisen oder Restaurant-Besuche ausgegeben, doch geshoppt wird beim Discounter. Zuletzt sei vor allem Bekleidung im Norden besser gelaufen.

Dass sich die positiven Werte der Umfrage und auch das von den Statistikern in Wiesbaden errechnete Lohnplus bislang nicht eins zu eins in den Büchern des norddeutschen Handels wiederfindet, dürfte auch im hohen Maße den Einkommensstrukturen im Norden geschuldet sein. Denn die Statistik zeigt, dass keineswegs alle Gruppen gleichermaßen von steigenden Löhnen profitiert haben.

So haben vor allem Angestellte in leitender Position mit durchschnittlich 4,1 Prozent zwar nominal ein dickes Plus bekommen, bei Angelernten und ungelernten Kräften lag das Plus hingegen bei gerade einmal 1,5 beziehungsweise 1,2 Prozent. Und während die Statistiker darauf hinweisen, dass Vollzeitbeschäftigte in Deutschland im vergangenen Jahr durchschnittlich 46.575 Euro verdienten – so galt ebenso, dass rund zwei Drittel am Ende des Jahres weniger hatten.

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