Konsum befeuert die Konjunktur in Deutschland

Hamburgs „Konsumtempel“ Europapassage: Der Einzelhandel blickt etwas skeptischer in die Zukunft und ist weniger optimistisch als die Industrie.
Hamburgs „Konsumtempel“ Europapassage: Der Einzelhandel blickt etwas skeptischer in die Zukunft und ist weniger optimistisch als die Industrie.

Mütterrente, Lohnzuwachs: Kieler Ökonomen blicken optimistisch in die Zukunft – trotz Russlandkrise

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18. Dezember 2014, 13:37 Uhr

Versöhnlicher Jahresausklang für die deutsche Wirtschaft: Die Unternehmen lassen das Stimmungstief hinter sich und schauen wieder zuversichtlich auf die kommenden Monate. Der Maschinenbau als Schlüsselindustrie steht trotz der Russland-Krise vor einem Rekordjahr und bei den führenden Forschungsinstituten wächst der Optimismus für die kommenden Monate. Billiges Öl und der niedrige Euro-Kurs geben den Exporten Auftrieb. Als Stütze für die Binnenkonjunktur erweist sich zudem kurz vor Weihnachten der private Konsum, so das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Außerdem erwarten die Ökonomen höhere Unternehmensinvestitionen. Daher hob das IfW seine Prognose für die Wirtschaftsleistung leicht auf 1,5 Prozent für 2014 an, nachdem im September noch 1,4 Prozent erwartet worden waren. Bereits im Schlussquartal 2014 dürfte es zu einem kräftigen Anstieg der privaten Konsumausgaben kommen, teilte das Institut gestern in Kiel mit. Für 2015 blieb das IfW zurückhaltend mit einer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent nach zuvor genannten 1,9 Prozent. Dieser Zuwachs soll jedoch 2016 erreicht werden.

Die Kaufkraft steige durch höhere Nettoeinkommen und den drastischen Ölpreisverfall, berichteten die Wirtschaftsexperten. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte sollen 2015 um 3,7 Prozent zulegen (2014: 2,7 Prozent) – gespeist durch einen Anstieg der Nettolöhne um 4,4 Prozent (2014: 3,7 Prozent), den Mindestlohn und höhere Sozialleistungen wie die Mütterrente oder die Rente mit 63 Jahren.

„Der Preisrutsch beim Öl kompensiert vorübergehend den heimischen Preisauftrieb, so dass sich um die Jahreswende 2014/2015 steigende Einkommen praktisch eins zu eins in höhere Kaufkraft übersetzen“, erläuterte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. Der Preisauftrieb beträgt 2014 danach 1,0 Prozent (2015: 0,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote 6,7 Prozent werde leicht sinken.

Unternehmen dürften das niedrige Zinsniveau für mehr Investitionen nutzen. Der Stimmungsabschwung in den Unternehmen scheine einen Boden gefunden zu haben, schrieb das IfW. Die deutschen Exporte zeigten sich robust, infolge des Ölpreisverfalls sollen sich die Bedingungen sogar „spürbar verbessern“.

Unterstützt werden diese Erwartungen auch vom Ifo-Geschäftsklimaindex. Das Stimmungsbarometer für die Entwicklung der Wirtschaft verbesserte sich im Dezember zum zweiten Mal in Folge. Nach 104,7 Punkten im Vormonat stieg der Index auf 105,5 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung gestern in München mitteilte. „Fallende Ölpreise und ein sinkender Euro-Kurs bescheren die deutsche Wirtschaft zur Weihnachtszeit“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Ihre aktuelle Lage beurteilten die befragten Unternehmer zwar im Dezember genauso wie im Vormonat. Der Blick in die kommenden Monate fiel aber besser aus: Der Erwartungsindex stieg von 99,7 Punkten auf 101,1 Punkte. Skeptischer als die Industrie zeigte sich allerdings der Einzelhandel. „Die Einzelhändler waren mit ihrer aktuellen Lage zufriedener, allerdings blicken sie merklich pessimistischer auf die kommenden Monate“, sagte Sinn. Firmen der Bauwirtschaft zeigten sich zwar insgesamt etwas vorsichtiger, blieben mit ihren Einschätzungen aber auf einem hohen Niveau.

Auch im deutschen Maschinenbau läuft es rund. „Unterm Strich konnten wir 2014 sowohl beim Umsatz mit 212 Milliarden Euro als auch in der Produktion mit 199 Milliarden Euro die bisherigen Rekordmarken von 2008 übertreffen“, sagte der Präsident des Branchenverbands VDMA, Reinhold Festge, in Frankfurt. Im kommenden Jahr dürfte die Branche abermals wachsen.

Der Chefvolkswirt der KfW-Bank, Jörg Zeuner, mahnte angesichts der Lage in Russland zur Vorsicht. „Die sich in den letzten Tagen verschärfende Krise in Russland dürfte leider für weitere Verunsicherung bei den Unternehmen sorgen.“

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