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VW-Tausch von alten Diesel gegen Neuwagen : Kommentar: Prämien dienen vor allem der eigenen Bilanz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hinter VWs angeblicher Umweltprämie steckt nichts - außer wirtschaftliches Kalkül, kommentiert Till H. Lorenz.

Nein, das Prämien-Versprechen von VW erfolgt nicht aus Liebe zum Kunden. Es ist auch kein Geschenk. Und um Umwelt- und Gesundheitsschutz geht es schon gar nicht. Es ist nichts weiter als nüchternes, betriebswirtschaftliches Kalkül. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Das ist legitim, doch Jubel verdienen weder VW noch die anderen Autobauer dafür. Sie wählen lediglich das kleinere Übel, um zumindest die eigene Bilanz zu retten.

Über den alten Diesel-Fahrzeugen schwebt das Damoklesschwert der Fahrverbote – und das wird in Zukunft die Preise drücken. Die Restwerte der Diesel-Fahrzeuge werden sinken. Der Bundesverband freier Kfz-Händler hatte zuletzt einen Rückgang um bis zu 20 Prozent befürchtet. Und das ist nicht nur aus Sicht der Diesel-Fahrer oder der Gebrauchtwagen-Händler an der Ecke ärgerlich, sondern eben auch für die Controller in den obersten Finanzabteilungen von VW.

Die Wolfsburger gehören durch ihr Leasing-Geschäft selbst zu den größten Besitzern von Diesel-Fahrzeugen in der Republik. Sinkt der Restwert alter Diesel-Autos, entsteht daraus für den Konzern ein handfestes Problem. Also müssen möglichst viele von ihnen von der Straße geholt werden, um so die Preise zu stabilisieren. Die einmalige Prämie – die nur bis Ende des Jahres gilt – ist da nur das kleinere Übel. Zumal wenn man die hohen Rabatte bedenkt, die höher als die jetzt versprochenen Prämien waren und schon vor der ganzen Diesel-Diskussion auf Neuwagen gewährt worden sind.

Ob der Kunde diese Rabatte weiterhin erhält, bleibt abzuwarten. Aus VW-Sicht ist das Sache der Händler. Einen großen Verlierer gibt es derweil so oder so: Die Besitzer der neueren Diesel-Fahrzeuge, die nun lediglich per Software-Update sauberer gemacht werden. Dass diese Fahrzeuge als Wertanlage nicht taugen, ist offenkundig. Doch diese Diesel-Fahrer werden bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf eine Prämie aus Wolfsburg warten. Schade.

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erstellt am 09.Aug.2017 | 08:26 Uhr

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