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Aus für Ein- und Zwei-Cent-Münzen : Kleve am Niederrhein schafft Kleingeld ab

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Viele Händler im Ort wollen künftig ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen klarkommen. Es wird gerundet. Ein Vorbild für ganz Deutschland?

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 08:35 Uhr

„Geehrte Kunden, wir RUNDEN!“. Das Hinweisschild steht seit gestern Morgen im Käsegeschäft in der Klever Innenstadt neben der Kasse. Als Emmi Berbers, ein Stück Franziskanerkäse für 5,12 Euro kauft, rundet die Verkäuferin Marike van Es ganz selbstverständlich ab. Die Kundin zahlt nur 5,10 Euro. Wäre das Stück Käse nur einen Hauch größer gewesen und hätte 5,13 gekostet, so hätte die Käseliebhaberin 5,15 Euro gezahlt. „Ich finde das gut – egal ob auf- oder abgerundet wird“, sagt Frau Berbers. Das vereinfache den Einkauf.

Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich laut Umfragen die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. In den Niederlanden, Finnland, Irland und Belgien sind die Münzen bereits ausgemustert. Dort werden sie kaum noch produziert, da die Herstellung zu teuer ist. Hier wird ebenfalls auf- oder abgerundet.

Auf- oder Abrunden – das tut in Kleve nicht nur der Käsehändler. Auch die Fleischerei Quartier gegenüber, die Apotheke ein paar Schritte weiter und viele andere Geschäfte in der niederrheinischen Stadt haben den Ein- und Zwei-Cent-Stücken den Kampf angesagt. „Die Idee kam, weil die Banken seit dem letzen Jahr für die Bereitstellung oder die Abnahme von Kleingeld Gebühren erheben“, erzählt Klaus Fischer, Filialleiter von Alexander Herrenmoden. Letztlich werde das Kleingeld damit für die Händler zu einem Verlustgeschäft. Der Händlerzusammenschluss Klever City Netzwerk hat deshalb über 800 Händler in der 50.000-Einwohner-Stadt angeschrieben und aufgefordert, ab 1. Februar auf 5-Cent-Beträge auf- oder abzurunden. Vorbild sind die benachbarten Niederlande, wo das schon seit Jahren üblich ist. In Deutschland ist Kleve nach Informationen des Handelsverbandes Deutschland „die erste Stadt, die so etwas macht“.

Die Teilnahme ist für Händler und Verbraucher freiwillig. Wer mit dem Runden nicht einverstanden ist, hat selbstverständlich einen Anspruch darauf, sein Rückgeld centgenau herauszubekommen. Doch scheint dies – zumindest in Kleve – eher die Ausnahme zu sein.

Christof Dammers vom Sportgeschäft Intersport trieb zuletzt die Sorge um, die Aktion könne Kunden vergraulen. „Wir haben die Kunden darum schon im Vorfeld befragt“, erzählt er. „Wir haben keinen gefunden, der dagegen war.“ Eine Kundin, deren Rechnung gerade aufgerundet worden ist, bestätigt die Einschätzung. „Das ist klasse. Ich finde das sehr gut.“ Bislang sind es vor allem inhabergeführte Läden und kleine regionale Ketten, die sich an der Aktion beteiligen. Gerd Derks etwa, der sechs Bäckereien in Deutschland und drei in den Niederlanden betreibt. Er sieht nur Vorteile im Verzicht auf das Kleinstgeld. „Der Bezahlvorgang geht schneller. Wir sparen Gebühren, und Kassendifferenzen sind kaum bemerkbar“, beschreibt er seine Erfahrungen aus den Niederlanden. Klaus Fischer ist als Mitinitiator der Aktion auch voller Optimismus. „Das gibt einen Schneeballeffekt. Ich kann mir vorstellen, dass das ein Vorbild für ganz Deutschland sein kann“, sagt er.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Viele Platzhirsche wie Douglas oder Kaufhof machen bei der Aktion bislang nicht mit, ebenso wenig wie der Discounter Aldi. Auch bei der Deutschen Bundesbank stößt die Idee aus Kleve bislang auf wenig Gegenliebe. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele sagte, bei Befragungen hätten die Bürger in der Vergangenheit auf die Frage, ob sie weiter kleine Münzen haben wollten, überwiegend mit Ja geantwortet. Für die Bundesbank gelte: „Wir folgen dem gesetzlichen Auftrag, wir sind für den baren und unbaren Zahlungsverkehr zuständig und auch Cent-Münzen sind offizielles Zahlungsmittel.“

Wie man das lästige Runden ohne Diskussion vermeidet, zeigt seit Jahren Deutschlands größte Drogeriemarktkette dm. Bei dm enden die Preise schon länger nicht mehr mit einer 9 wie bei 1,99 Euro, sondern mit einer 5 wie bei 1,95 Euro. „Dies soll den Kunden und unseren Mitarbeiterinnen an der Kasse eine komfortablere Kleingeldhandhabung ermöglichen“, erklärt das Unternehmen.

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