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Kleine Banken langen bei Dispo kräftig zu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überziehungszinsen in Schleswig-Holstein höher als im Bundesdurchschnitt

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 00:31 Uhr

Wer in Schleswig-Holstein sein Konto überzieht, muss tief in die Tasche greifen. Das zeigt ein bundesweiter Vergleich der Stiftung Warentest. Spitzenreiter im Norden ist demnach mit 14 Prozent die Raiffeisenbank Ratzeburg. Besonders Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken im ländlichen Raum nutzten ihre Monopolstellung aus, kritisierte Stiftungsvorstand Hubertus Primus gestern. „Die größten Abzocker sind ausgerechnet die Kleinsten.“

Insgesamt nahmen die Tester neben den überregionalen Banken 48 rein regional ausgerichtete Institute in Schleswig-Holstein ins Visier. Bei 36 von ihnen wurden für Dispokredite mehr als 11,31 Prozent fällig – sie lagen damit über dem Durchschnitt der bundesweit von Stiftung Warentest untersuchten 1538 Geldhäuser. Auch der durchschnittliche Dispozins aller untersuchten Banken im Norden liegt mit 11,56 Prozent über dem Bundesvergleich.

„Die Banken haben den Verbraucher als billige Geldquelle entdeckt“, so Primus. Denn die Kreditinstitute selbst können sich gegenwärtig Geld viel günstiger leihen. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank verharrt auf einem Rekordtief von 0,5 Prozent. Leihen sich Banken untereinander Geld, werden 0,22 Prozent fällig.

Aus Sicht von Stiftung Warentest sind Dispozinsen von weniger als 10 Prozent angebracht. Eine Grenze, die nur neun Banken im Norden – und auch nur bei bestimmten Konto-Arten – unterschreiten. Dabei liegt Stiftungsvorstand Primus zufolge die Ausfallquote bei diesen kurzfristigen Krediten bei gerade einmal 0,2 Prozent. „Es gibt kaum Verbraucher, die den Dispo nicht zurückzahlen“, sagte er.

Ein Sprecher der Volksbanken in Schleswig-Holstein betonte, dass viele Häuser mit den Gebühren zuletzt runtergegangen seien. Im Schnitt läge der Dispo bei Deutschlands Volksbanken bei unter zehn Prozent. Zugleich räumte er ein, dass es im Norden womöglich einige gebe, die bislang „wenig gemacht haben“. An Kunden appellierte er, sich an ihre Volksbanken zu wenden, um „individuelle Lösungen“ zu finden. „Wofür brauche ich jetzt Geld“, sagte er, sei die Frage. So ließe sich der Dispo von vornherein umgehen.

Primus forderte vor allem mehr Transparenz. Erst kürzlich hatte schon Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) ein Vergleichsportal für Bankgebühren angeregt. Kommentar Seite 2

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