Kieler Justiz stellt Verfahren gegen Ex-HSH-Chef ein

Kann durchatmen: Ex-HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher.
Kann durchatmen: Ex-HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher.

Nonnenmacher sollte den Rauswurf von Ex-Vorstand Roth betrieben haben / Anklage fand keine Beweise

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13. Januar 2015, 12:35 Uhr

Nun muss er doch nicht mehr vor Gericht: Dirk Jens Nonnenmacher, Ex-Vorstandschef der HSH Nordbank. Wegen falscher Verdächtigung hatte die Staatsanwaltschaft Kiel Jahre lang gegen Nonnenmacher ermittelt. Jetzt hat die Behörde ihr Verfahren eingestellt.

Der Fall, um den es geht, reicht zurück ins Frühjahr 2009. Damals setzte die HSH Nordbank den erst elf Monate zuvor berufenen Vorstand Frank Roth an die Luft. Mit der fristlosen Kündigung erstattete die Bank Anzeige. Der Vorwurf: Roth sollte Geschäftsgeheimnisse verraten haben. Die Anschuldigungen gegen Roth aber lösten sich bald in Luft auf. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen gegen den Banker ein. Begründung: Die Vorwürfe erschienen nicht plausibel. Versuche der Bank, mit einer Beschwerde beim Generalstaatsanwalt die Wiederaufnahme des Verfahren zu erreichen, scheiterten kläglich. Es spreche „einiges dafür, dass er (Roth, d. Red.) Opfer einer Aktion geworden ist, mit der falsche Spuren gelegt worden sind“, hieß es in der Einstellungsverfügung aus Schleswig. Die Bank musste Roth rehabilitieren und mit einer Millionensumme entschädigen. Im Visier der Öffentlichkeit stand damit erneut auch Nonnenmacher selbst. Offen war damals darüber spekuliert worden, der Chef persönlich solle Roths Entlassung betrieben haben. Zur Unterstützung habe er sich des Sicherheitsunternehmens Prevent bedient und Roth mit fingierten „Beweisen“ eine Falle stellen lassen. Jetzt sind auch die Vorwürfe gegen Nonnenmacher vom Tisch. „Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ließ sich nicht belastbar beweisen, dass Professor Nonnenmacher um die Unrichtigkeit der mit der Anzeige erhobenen Vorwürfe wusste“, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Nonnenmachers Anwalt Gerald Goecke erklärte, die Staatsanwaltschaft habe einen Tatverdacht gegen seinen Mandanten in jedem relevanten Punkt verneint. Nonnenmacher, Spitzname „Dr. No“, war von November 2008 bis März 2011 HSH-Vorstandschef. Das Institut war im Zuge der Finanzmarktkrise schwer ins Schlingern geraten und musste 2009 von den Haupteigentümern Schleswig-Holstein und Hamburg mit Milliardenhilfen gerettet werden.

Vergangenen Juli hatte das Hamburger Landgericht sechs Ex-Spitzenmanager der Bank, darunter Nonnenmacher, vom Vorwurf der schweren Untreue freigesprochen. Zwar attestierten die Richter den früheren Vorständen eine Pflichtverletzung im Zusammenhang mit einem verlustreichen Finanzmarktgeschäft. Die sei aber nicht so schwerwiegend gewesen, dass eine Verurteilung wegen Untreue gerechtfertigt sei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein.

Im Zuge des Kieler Verfahrens hatte die Staatsanwaltschaft Ende 2012 auch Wohnungen Nonnenmachers in Frankfurt und Hamburg durchsuchen lassen. Für den Fall einer rechtskräftigen Verurteilung des Managers in Kiel hatte die Bank angekündigt, die Abfindung von vier Millionen Euro zurückzufordern, die der Manager für sein vorzeitiges Ausscheiden kassiert hatte.

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