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Fehlende Nachfrage : Keine Nerzfarmen mehr in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

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Diskussionen um Tierschutzstandards, Kampf mit Behörden und schwindende Abnehmer: Die Nerz-Zucht ist am Ende.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 16:12 Uhr

Im März 2017 trennte sich Nils Sörnsen aus Schlesen im Kreis Plön als letzter Schleswig-Holsteiner von seiner Nerzzucht. Nicht die erdrückenden Auflagen im Tierschutz und das nervenaufreibende Rangeln mit Behörden und Tierschützen zogen ihm das Fell aus, sondern die Gewissheit, dass man mit Nerzen kein Geschäft mehr machen kann. Diese Art der Einschätzung ist weit verbreitet: Ab 2018 wird es auch in Mecklenburg-Vorpommern keine professionellen Nerzfarmen mehr geben.

Ihren Entschluss erklärten die Betreiber der Anlage in Zirtow bei Wesenberg und Sprecher der Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Rostock am Montag. Das Aus für die Anlagen Zirtow und Klueß bei Güstrow, die laut Tierschutzbund zu den größten in Deutschland gehörten, sei im Tierschutzbeirat Mecklenburg-Vorpommern mit den Betreibern vereinbart worden, sagte Kerstin Lenz vom Landesverband des Tierschutzbundes am Montag in Demmin. „Wir sind froh, wenn in Mecklenburg-Vorpommern keine solche Anlagen mehr existieren“, sagte Lenz. Was mit den leeren Farmen passieren soll, ist noch unklar.

Die Nerzfarm bei Wesenberg sei bereits leer, hieß es. Dort sollen nach Angaben der Tierschützer bis zu 16.000 Zuchttiere gehalten worden sein. Ende 2017 soll es noch einmal eine Kontrolle auf dem Gelände geben. Der Betreiber der Farm hat auch eine Fabrik für Futtermittel im wenige Kilometer entfernten Leizen, in der es vor gut einem Jahr einen Brand mit hohem Schaden gab. Die Ermittlungen zum Brand hat die Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt. Gutachter hätten ermittelt, dass es sich um fahrlässige Brandstiftung oder einen technischen Defekt gehandelt hatte. „Das Werk soll aber repariert werden und wieder produzieren“, sagte Betreiber Jürgen Brokamp am Montag. Danach würden Schadensgutachten erstellt und mit Versicherungen gesprochen. In Leizen wurde bis zu dem Feuer Heimtierfutter hergestellt, was jetzt andere Produktionsstandorte ausgleichen.

Alter DDR-Betrieb

Die Nerzfarm in Klueß bestand, wie auch Zirtow, schon in der DDR. In der Anlage gab es rund 10.000 Zuchttiere. Laut Landkreis wurden dort 50.000 Nerze für die Pelzproduktion „genutzt“ und etwa 5000 Pelztiere in eine Anlage in den Niederlanden gebracht. Das Veterinäramt habe die Räumung der Anlage begleitet und keine Verstöße festgestellt.

In der Gemeinde Klueß frage man sich aber, was aus der Farm wird. Der Betreiber hatte nur einen Pachtvertrag und in der Vereinbarung, die vor Gericht geschlossen wurde, gebe es keine „Rückbauverpflichtung“. So etwas gibt es in Zirtow auch nicht. Aber dort gehört die Anlage auch Brokamp. Er habe noch nicht entschieden, was dort passieren soll, erklärte der Geschäftsmann. 

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