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Keine Blütenträume von Werftenbooms dank Windparks auf See

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Deutscher Schiffbau zwischen Dauerkrise und Hoffnung auf das Offshore-Geschäft / Heil der Branche in der Fertigung besonderer Schiffe gesucht

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erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Der deutsche Schiffbau sieht nach finsteren Krisenjahren Licht am Horizont - doch sonderlich kräftig ist der Silberstreif nicht. "Wir sind in ruhigeres Fahrwasser gekommen, aber wir müssen weiterhin kämpfen", sagte Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), gestern beim VSM-Jahrestreffen in Hamburg.

Die inländischen Werften und Zulieferer konnten ihren Gesamtumsatz im Jahr 2012 um rund zehn Prozent auf 5,1 Milliarden Euro steigern, wobei der Zuwachs allein auf gestiegene Exporte zurückgeht (plus 22 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro). Damit verkauft die Branche inzwischen fast drei Viertel ihrer Produkte ins Ausland. Der Umsatz innerhalb Deutschlands schrumpfte erneut deutlich um elf Prozent auf 1,4 Milliarden.

Positiv entwickelten sich die Auftragseingänge. 2012 akquirierten die deutschen Schiffbauer Neugeschäft mit einem Volumen von 3,4 Milliarden Euro, ein Plus von elf Prozent. Allerdings sank die Stückzahl der gewonnenen Orders bei Seeschiffen von 28 auf 18. Der Auftragsbestand wuchs geringfügig auf 8,5 Milliarden Euro.

Die Zahl der Beschäftigten blieb bei bundesweit 18 000 stabil, 4183 davon in Schleswig-Holstein (minus 34), 1740 in Hamburg (minus178). Der Branche gehe es nicht so schlecht wie öffentlich oft dargestellt, betonte Lüken. Zumindest gelte das, wenn man die "dramatischen" Umwälzungen der vergangenen Jahre als Maßstab nehme.

Tatsächlich ist die deutsche Werftindustrie dabei, sich notgedrungen in weiten Teilen neu zu erfinden. Nationale Betriebe haben den Bau von Serienschiffen inzwischen komplett aufgegeben; - noch 2004 hatten Containerschiffe rund zwei Drittel des Umsatzes gebracht. An deren Stelle ist vor allem der Bau von Passagierschiffen, darunter Kreuzfahrer in Papenburg, sowie von Yachten getreten. Dieses Segment bildet 80 Prozent des aktuellen Auftragsbestandes. Auch der Offshore-Markt stelle einen "signifikanten Teil" der Aufträge, so der VSM. Allerdings hätten sich manche Blütenträume von einem deutschen Werftenboom dank der Windparks auf See nicht erfüllt, sagte Hauptgeschäftsführer Lüken. Die IG Metall hatte kürzlich beklagt, dass von weltweit 800 Aufträgen für Offshore-Spezialschiffe und -anlagen nur sieben nach Deutschland gegangen seien. Lüken: "Das ist ein schwieriger Markt mit hohem Kostendruck." Deshalb setzten deutschen Betriebe "nicht alles auf die Karte Offshore". Ihr Heil sucht die Branche in der Fertigung besonderer Schiffe, bei denen deutsches Ingenieurwissen noch weitgehend konkurrenzlos ist. Alle Neuaufträge für Seeschiffe in 2012 entfallen auf derartige "Spezialschiffe", ganz überwiegend Passagierschiffe sowie Ro-Ro-Schiffe und Yachten.

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