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Kartoffel-Betrug auch in Schleswig-Holstein

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erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Bonn/Kiel | Die Kartoffel in der Hand eines Kartells: Diesem Verdacht ist das Bundeskartellamt mit einer Durchsuchungsaktion nachgegangen. Bei den Ermittlungen gegen das mutmaßliche Kartell ist neben den Haupt-Kartoffel-Ländern Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen auch Schleswig-Holstein in den Fokus geraten. Hier soll eine der neun verdächtigen Firmen ansässig sein.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sollen 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebelbranche regelmäßig die Preise abgesprochen haben, zu denen Supermarkt-Ketten beliefert wurden.

Die Gewinnmargen wurden so erhöht, Verbraucher zahlten zu viel; auch Pflanzkartoffeln für die Bauern sollen zu überhöhten Preisen angeboten worden sein. Infolge dieser illegalen Preisabsprachen bei Kartoffeln soll deutschen Verbrauchern und Bauern ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro entstanden sein. Laut "Bild" summieren sich die illegal angehäuften Gewinne über zehn Jahre hinweg sogar auf rund eine Milliarde Euro.

Eines der neun durchsuchten Unternehmen kündigte in Mönchengladbach für die kommenden Tage eine Stellungnahme an. Vorher werde man sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Der Geschäftsführer einer anderen Verdachtsfirma wies die Vorwürfe zurück. "Wir haben kein schlechtes Gewissen, wir sind da relativ gelassen", sagte er der "SZ". Dass ein solches Kartell existiert habe, könne er sich nicht vorstellen. Mehrere andere Unternehmen wollten ebenfalls keine Stellungnahme abgeben oder waren nicht erreichbar.

Der Kartellrechtsexperte Maxim Kleine sagte der "Welt", Klagen der Handelsketten gegen die Kartoffelverarbeiter seien durchaus wahrscheinlich, wenn sich der Verdacht bestätige. Für die Verbraucher in Deutschland sei es angesichts der "atomisierten Schäden" und mangels des Instruments der Sammelklage dagegen kaum möglich, ihren Schaden geltend zu machen.

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