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Zukunftspläne : Karstadt vor Woche der Wahrheit

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Der Aufsichtsrat tagt und die Tarifpartner verhandeln über die Arbeitsplätze. Welche Pläne hat Eigentümer René Benko?

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2014 | 12:07 Uhr

Essen | Eigentlich wird es höchste Zeit für die gut 17.000 Karstadt-Beschäftigten, sich ganz auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft zu konzentrieren. Schließlich sind die Wochen vor dem Fest die wichtigsten Einkaufswochen des Jahres. Doch muss man kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Beschäftigten des angeschlagenen Handelsriesen ganz andere Gedanken umtreiben.

Gleich zwei wichtige Termine könnten die kommenden Tage zur Woche der Wahrheit für die seit Jahren um ihre Arbeitsplätze bangenden Mitarbeiter machen. Am Dienstag gehen die Tarifverhandlungen für die Karstadt-Beschäftigten in eine neue Runde. Es geht um Arbeitsplatz- und Standortgarantien, aber auch um mögliche Sanierungsbeiträge der Arbeitnehmer. Und am Donnerstag tagt dann der Aufsichtsrat des Handelsriesen. Mögliche Themen: Der Sanierungsplan der Konzernspitze und die Suche nach einem neuen Karstadt-Chef.

Die Woche könnte damit endlich etwas mehr Klarheit bringen, welche Pläne der Tiroler Immobilieninvestor Renè Benko für das ums Überleben kämpfende Traditionsunternehmen hat. Dass ein harter Sanierungskurs in ihren Augen notwendig ist, daran hat die Karstadt-Führung in den vergangenen Wochen keinen Zweifel gelassen. Es gehe um rund 2000 Arbeitsplätze, die in der Zentrale und den 83 Filialen abgebaut werden sollen, fasst Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes die Pläne der Karstadt-Spitze zusammen. Mögliche Filialschließungen seien dabei noch gar nicht berücksichtigt. Er kündigte Widerstand an.

„Bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag erwarte ich keine Entscheidungen über Filialschließungen. Aber es könnte eine Vorentscheidung bei den geplanten Personalkosteneinsparungen geben, wenn der Aufsichtsrat das Sanierungskonzept der Karstadt-Führung billigt“, sagt Peukes. Er gehört dem Kontrollgremium selbst als Gewerkschafts-Vertreter an.

Auch der Handelsexperte Gerd Hessert von der Universität Leipzig rechnet aktuell allenfalls mit begrenzten Einschnitten. „Ich glaube nicht, dass die Karstadt-Führung kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft eine große Zahl von Filialschließungen ankündigt. Wenn überhaupt wird es einige wenige große Verlustbringer treffen“, meint er. „Alles andere würde die Marke beschädigen und vielleicht sogar zu Streiks führen. Damit wäre niemandem geholfen.“ Aber es werde mit Sicherheit massive Sparbemühungen geben:

Personalabbau, Verhandlungen über Mietpreissenkungen und günstigere Einkaufskonditionen, nennt der Experte als Beispiele. Dass dabei auch die Beschäftigten Zugeständnisse machen müssen, steht für Hessert fest. „Es geht ums Ganze bei Karstadt. Da ist es besser 65 Prozent der Arbeitsplätze zu erhalten, als Karstadt ganz zu verlieren.“

Ob die aktuellen Sparpläne am Ende das Überleben des Unternehmens sichern können, ist in den Augen des Handelsexperten ungewiss. Der Ausgang hänge nicht allein von Benko und seiner Firma Signa ab. „Auch Vermieter, Lieferanten und Mitarbeiter müssen mitmachen.“ Die Erfolgsaussichten lägen etwa bei 50:50, meint Hessert. Fest steht, auf konjunkturellen Rückenwind kann Karstadt bei der Neuausrichtung nicht hoffen. Die Geschäfte im für Karstadt äußerst wichtigen Textilgeschäft laufen zurzeit branchenweit schlecht. Im dritten Quartal lagen die Umsätze im deutschen Modehandel nach Schätzungen des Branchenfachblatts „Textilwirtschaft“ um vier Prozent unter Vorjahresniveau.

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