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Karstadt vor Schicksalswoche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neuer Aufsichtsrat berät am Donnerstag: Es geht um Filial- und Job-Streichungen / 17 000 Mitarbeiter zittern

Neuer Investor, alte Ängste: Für die rund 17 000 Karstadt-Mitarbeiter geht es in dieser Woche mal wieder ums Ganze. Zittern und Bangen um den eigenen Job gehört für sie seit Jahren zur traurigen Routine. Auch nach dem Einstieg des Tiroler Immobilieninvestors René Benko bleibt das Schicksal des seit Jahren ums Überleben kämpfenden Traditionsunternehmens völlig offen. Mit Spannung wird deshalb an diesem Donnerstag die erste Sitzung des Karstadt-Aufsichtsrats nach dem überraschenden Eigentümerwechsel erwartet.

Wenn es um die Inhalte der Sitzung geht, heißt die Devise: Stillschweigen. Doch Benko will nach dem erfolglosen Engagement seines Vorgängers Nicolas Berggruen nun offenbar durchgreifen. Nach der in aller Eile erfolgte Umbesetzung des Kontrollgremiums hat der neue Eigentümer bereits mehrere Vertraute im Aufsichtsrat. Auch im Management des angeschlagenen Warenhauskonzerns räumten bereits einige Führungskräfte ihre Sessel. An der Spitze des Karstadt-Kontrollgremiums steht weiter der Handelsexperte Stephan Fanderl, der die Beschäftigten bereits vor knapp zwei Monaten unmissverständlich auf einen harten Sanierungskurs eingestimmt hatte. „Es ist klar, dass Karstadt in der derzeitigen Situation alles auf den Prüfstand stellen muss, betonte Fanderl damals. Rund ein Viertel der derzeit 83 Karstadt-Filialen könnten vor der Schließung stehen. Nichts deutet darauf hin, dass sich die Situation des Unternehmens seitdem verbessert haben könnte.

Hoffnungsträger sind Mangelware bei Karstadt, seitdem sich der einst als Retter gefeierte Investor Berggruen mit einer miserablen Bilanz verabschiedet hat. Erst Ende August hatte Karstadt eingeräumt, dass eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen nach anhaltenden Verlusten für das Unternehmen erst in einigen Jahren realistisch sein könnte. Der im April verfasste Jahresabschluss spiegelt aber noch die Planungen der inzwischen ausgeschiedenen Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt wider.

Die Gewerkschaft Verdi erteilte einer „Politik der reinen Kostensenkung“ bereits vor der Sitzung eine Absage. „Karstadt wird eine Zukunft haben, wenn in die Warenhäuser ausreichend investiert und ein schlüssiges Konzept vorgelegt wird, das auch regionale Besonderheiten beachtet“, betonte Verdi-Sprecherin Eva Völpel. Erwartet werde ein Zukunftskonzept, das den Erhalt der Arbeitsplätze an die erste Stelle stellt. Nur: Wie so ein Konzept aussehen könnte, ist noch unklar. Experten wie der Handelsfachmann Gerd Hessert fordern millionenschwere Investitionen in die Zukunft desWarenhaus-Riesen. Bis zu einer Milliarde Euro seien notwendig, um das Unternehmen zu sanieren, so Hessert. Die Kosten für die Schließung von etwa 20 Filialen bezifferte er auf noch einmal rund 100 Millionen Euro. Auch Markenexperte Klaus-Dieter Koch von der Managementberatung Brand Trust ist überzeugt, dass Benko einen Schnitt machen muss. „Der Erhalt der Warenhäuser in ihrer jetzigen Form hat keine Chance“, meint er. Eine Sanierung sei notwendig – „bis hin zum Totalabriss mancher Häuser“. Schließlich gehe es darum, sich mit einem Einkaufserlebnis gegen den Boom des Online-Handels zu behaupten.

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erstellt am 07.Sep.2014 | 14:21 Uhr

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