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Umbau bei der Warenhaus-Kette : Karstadt-Chef Fanderl: „Wir verdienen wieder Geld“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jung und trendy hat nicht funktioniert. Jetzt soll die Warenhauskette regionaler werden.

Karstadt steckt noch mitten im Umbau. Doch der seit einem Jahr amtierende Konzernchef Stephan Fanderl zeigt sich im Interview optimistisch.

Herr Fanderl, wie steht das Unternehmen da?
Fanderl: Wir verdienen an der Ladenkasse wieder Geld. Das war viele Jahre nicht der Fall. Operativ haben wir im zurückliegenden Geschäftsjahr 2014/15 (30. September) ein positives zweistelliges Millionenergebnis erzielt. Unter dem Strich sind wir noch nicht ausgeglichen. Unser Umsatz ist moderat zurückgegangen. Wir haben keine Bankschulden, unser Bargeld-Bestand hat sich erheblich verbessert und liegt jetzt bei deutlich über 200 Millionen Euro. Das ist ein zweistelliger Millionenbetrag mehr als vor einem Jahr.

Karstadt ist in SH mit Filialen in Kiel, Lübeck, Flensburg, Norderstedt und Neumünster verteten. Der Betrieb in Neumünster wird voraussichtlich Ende Juni  kommenden Jahres eingestellt. Was mit dem Gebäude passiert, ist noch offen.

Was haben Sie für die Sanierung getan?
Vom Wareneingang bis zur Kasse funktioniert heute alles anders. Wir steuern das Unternehmen zudem mit rund 20 Prozent weniger Lagerbestand als früher. Damit erzielen wir bessere Margen, unsere Umsätze sind gesünder. Und wir haben erheblich Hierarchie und Verwaltung abgebaut.

Wie sieht Ihre weitere Strategie aus?
Wir werden die Regionalisierung unserer Häuser vorantreiben und für jedes Haus aus unseren 16 Millionen Artikeln ein eigenes Sortiment entwickeln. Den Fashion-Anteil werden wir sicher nicht weiter steigern. Ich glaube, unsere Chancen in den jeweiligen Innenstädten definieren sich durch das Umfeld. Wenn im Umkreis zum Beispiel kein starker Schreibwarenhändler sitzt, dann müssen wir diese Kategorie verstärken. Die zentrale Frage lautet deshalb: Womit gewinnen wir in Mönchengladbach, in Norderstedt oder in Wiesbaden?

Konkurrent Kaufhof setzt verstärkt auf Mode und Accessoires. Warum verfolgen Sie eine andere Richtung?
Karstadt ist ein Warenhaus, und unser Sortiment wird breiter und nicht spitzer. Das alte Management unter dem alten Besitzer hatte den Modeanteil erheblich ausgebaut – und zwar vor allem mit sehr jungen und sehr trendigen Marken. Diese Strategie ist jedoch nicht aufgegangen, und wir setzen jetzt wieder auf ein Warensortiment, das unsere loyale Kundschaft, im Schwerpunkt die Kundin ab 45 Jahren, nachfragt.

Wie viel Geld wollen Sie in die Hand nehmen, um die Läden attraktiver zu machen?
Für das neue Geschäftsjahr haben wir einen zweistelligen Millionenbetrag für Investitionen in zunächst sechs Filialen eingeplant. Das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Wir entscheiden Investments Haus für Haus.

Und wo investieren Sie?
Wir werden in erster Linie dort investieren, wo der Kunde es sieht und wo es schnell zu Verbesserungen im Umsatz und Ergebnis führt.

Und die Mitarbeiter?
Wir investieren auch in die Motivation unserer Mitarbeiter. Mit Zustimmung unserer Eigentümer und in Abstimmung mit dem Gesamtbetriebsratschef werden wir den Mitarbeitern in diesem Jahr Weihnachtsgeld bezahlen. Wir möchten unseren rund 14.000 Mitarbeitern damit auch für ihre Leistungen danken.

Karstadt schrumpft seit Jahren. Wann wollen Sie wieder auf Wachstumskurs gehen?
Wir freuen uns, dass die Sanierung erfolgreich läuft, aber die Jahre zwei und drei einer Sanierung sind oft die schwierigsten. Unser Ziel ist es, im kommenden Jahr auch unter dem Strich ausgeglichen abzuschließen. Fest steht auch, dass wir im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr geschafft haben, als wir glaubten.

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erstellt am 23.Okt.2015 | 11:17 Uhr

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