Trennung von Andrew Jennings : Karstadt braucht einen neuen Chef

Kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen: Der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt.  Foto: dpa
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Kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen: Der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt. Foto: dpa

Mitten im Tarifkonflikt muss Eigentümer Nicolas Berggruen Ersatz für den Sanierer Andrew Jennings finden.

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10. Juni 2013, 11:40 Uhr

Essen/Berlin | Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen muss für seinen angeschlagenen Warenhauskonzern einen neuen Chef suchen. Der Vertrag des Anfang 2011 als Sanierungsexperte angetretenen Karstadt-Chefs Andrew Jennings läuft am Jahresende aus und wird nicht verlängert. Das Unternehmen bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag". Nähere Angaben zu den Hintergründen des Chefwechsels wollte ein Karstadt-Sprecher gestern auf Anfrage nicht machen.
Jennings werde daran mitwirken, seinen Nachfolger zu finden, hieß es in der Karstadt-Mitteilung. Er werde bei Karstadt involviert bleiben. Berggruen hatte den international erfahrenen Handelsmanager 2011 als Sanierer nach Essen geholt. Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Karstadt-Eigentümer in Essen mit der Geschäftsführung getroffen. Über den Inhalt der Gesprächs war nichts bekannt worden.

Keine Differenzen über die Strategie

Das Unternehmen wies die Darstellung der "BamS" zurück, wonach der Grund für die Trennung Differenzen über die Strategie zur Rettung der Warenhauskette seien. "Berggruen und das Management befinden sich über die Fortsetzung der Karstadt-Strategie in Harmonie miteinander", hieß es in der Mitteilung. Der Eigentümer und Jennings stünden zur Strategie "Karstadt 2015".
Eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi forderte eine "unverzügliche und umfassende" Information im Betrieb und auch für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat über mögliche Entscheidungen zu Personalien und zur Strategie des Unternehmens. Die Gewerkschaft wolle sich jedoch nicht ans Spekulationen beteiligen, hieß es gestern in einer Mitteilung.

Krank nach 20 Jahren Missmangement

Zuletzt hatte es bei Karstadt heftigen Streit zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Karstadt-Führung über eine geforderte "Tarifpause" für die Beschäftigten gegeben. Karstadt-Eigentümer Berggruen hatte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung vor wenigen Tagen eingeräumt, das Problem bei Karstadt unterschätzt zu haben.
"Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender", sagte er der Zeitung.

Karstadt auf den British Virgin Islands?

In einem Interview hatte sich Berggruen noch im Frühjahr hinter den Karstadt-Chef gestellt. "Karstadt-CEO Andrew Jennings macht einen großartigen Job - er arbeitet unheimlich hart", sagte er damals. "Am Ende dieses Jahres werden er und ich gemeinsam entscheiden, wie wir weiter fortfahren", hatte der Karstadt-Eigentümer noch im März angekündigt.
Wie die "BamS" weiter berichtete, soll Karstadt über mehrere Zwischenfirmen einem Nicolas Berggruen Charitable Trust auf den British Virgin Islands gehören. Die Zeitung beruft sich auf ihr vorliegende Dokumente der US-Börsenaufsicht SEC. Der Trust halte "die Aktienbeteiligungen der Berggruen Holdings und soll gemeinnützige Aktivitäten unterstützen", zitiert die BamS aus dem SEC-Papier. Die Geschäftsanschrift des Trusts sei ein Briefkasten auf der Insel Tortola. Laut "BamS" bleiben im Ausland erwirtschaftete Erträge auf der Insel steuerfrei. Ein Berggruen-Sprecher wollte den Bericht gestern nicht kommentieren. Eine Berggruen-Sprecherin sagte der "BamS" zum Verdacht der Steuervermeidung: "Alle Unternehmen zahlen dort Steuern, wo sie beheimatet sind. Nicolas Berggruen profitiert in keiner Weise vom Nicolas Berggruen Charitable Trust. Dieser wird das Vermögen noch zu Lebzeiten Nicolas Berggruens vollständig gemeinnützigen Zwecken spenden."

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