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Kampf um die Teilzeitkräfte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wettbewerb um Arbeitnehmer verschärft sich: Immer weniger Minijobs und befristete Beschäftigung im Norden

Für Millionen Menschen in Deutschland ist es ihr Arbeitsalltag: Sie sitzen für monatlich 450 Euro an der Supermarktkasse, teilen sich im Büro eine Stelle mit einer Kollegin, hoffen als Berufseinsteiger auf den ersten unbefristeten Vertrag. Wann die jeweilige Arbeit nur Zuverdienst, wann berufliche Lebensgrundlage ist, ist unklar. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie zur Gruppe der „atypisch“ Beschäftigten zählen. Während die Zahl dieser Beschäftigungsverhältnisse gerade in Norddeutschland lange Zeit anstieg, befindet sie sich inzwischen im Sinkflug – auch weil die Betriebe angesichts des demografischen Wandels unter Zugzwang geraten.

Allein von 2012 zu 2013 nahm die Zahl der Arbeitnehmern, die Teilzeit, befristet oder in Minijobs und Zeitarbeit ihr Geld verdienen, um fast sechs Prozent in Schleswig-Holstein ab – mehr als im Bund. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor.

Zuletzt arbeiteten 257 000 Menschen in Schleswig-Holstein in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis – allein 170 000 waren Teilzeitbeschäftigte. Das ist der niedrigste Wert seit fast zehn Jahren. Die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse insgesamt war zuletzt 2005 niedriger. Zugleich ist die Zahl der Arbeitnehmer mit normalen Beschäftigungsverhältnissen mit fast 800 000 so hoch wie zuletzt in den 90er Jahren.

„Im Rückgang atypischer Beschäftigungsverhältnisse – bei gleichzeitigem Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – zeigt sich auch der Wettbewerb um qualifiziertes Personal“, sagte Horst Schmitt, Sprecher der Direktion Nord der Arbeitsagentur. „Dieser Wettbewerb führt dazu, dass die Betriebe ‚etwas bieten müssen‘, um Personal zu gewinnen oder zu halten.“ Dazu gehörten natürlich auch arbeitsvertragliche Regelungen.

Bundesweit zählte jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland zur Gruppe der atypisch Beschäftigten. Die Zahl bezieht sich auf die sogenannten Kernerwerbstätigen: 35,6 Millionen 15- bis 64-Jährige, die sich zum Stichtag nicht in Bildung oder Ausbildung befanden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wies darauf hin, dass das Niveau „atypischer“ Beschäftigung weiter hoch und vor allem Frauen betroffen seien. Tatsächlich machen Männer im Norden nur 30 Prozent bei den atypisch Beschäftigten aus.

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erstellt am 26.Nov.2014 | 13:33 Uhr

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