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Kammer stört Sonntagsfrieden

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Die Hamburger Wirtschafts-Vertretung will die Zahl der verkaufsoffnen Sonntage auf sechs erhöhen

Hamburg | Die Hamburger Handelskammer möchte den Sonntagsverkauf in der Metropole spürbar ausweiten. Statt vier verkaufsoffenen Sonntagen pro Jahr soll es nach dem Wunsch der Wirtschafts-Vertretung durch zeitliche Entzerrung künftig sechs geben. Einen davon auch in der Adventszeit, bisher diesbezüglich eine absolute Tabuzone in Hamburg.

Bei der Vorstellung eines Standpunktepapiers der Kammer zu Öffnungszeiten im Einzelhandel sagte Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz gestern: "Wenn beispielsweise der erste Sonntag im Dezember ein verkaufsoffener Sonntag wäre, kämen viele zusätzliche Städtetouristen nach Hamburg. Davon würden neben dem Einzelhandel auch die Hotellerie, die Gastronomie und das Verkehrsgewerbe profitieren." Eine Sonderstellung regt die Handelskammer für die Geschäfte in der Hafencity an, deren Ladeninhaber über dürftige Umsätze klagen. Die Kammer fordert, Einzelhandel dort im Sommerhalbjahr sogar an jedem Sonntag zuzulassen. Die Regelung solle auf zwei Jahre befristet sein.

Bisher sind in Hamburg vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt, die vom Senat zeitgleich für alle sieben Bezirken festgelegt werden. Stadtteilzentren klagen über der Konkurrenz der City-Geschäfte an solchen Tagen. Schmidt-Trenz: "Verkaufsoffene Sonntage erfordern laut Ladenöffnungsgesetz einen Anlass". Lokale Interessengemeinschaften müssten diese mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand erst schaffen, etwa Stadtteilfeste ausrichten. "Dies ist gerade in kleineren Quartieren wirtschaftlich nur vertretbar, wenn nicht am selben Tag in allen anderen Bezirken die Ladengeschäfte geöffnet sind."

Die Kammer möchte jedem Bezirk gestatten, das Datum für einen der Verkaufssonntage selbst festzulegen, wobei der Senat drei Termine zur Auswahl vorgibt. Nach diesem Modell gebe es in ganz Hamburg "höchstens sechs verschiedene verkaufsoffene Sonntage", so Schmidt-Trenz. Jedes Geschäft könne aber wie bisher an maximal vier Sonntagen öffnen. Zusätzlich schlägt die Handelskammer vor, dass an verkaufsoffenen Sonntagen in den Bezirken private Betreiber auch Wochenmärkte veranstalten können. Kioske mit maximal 25 Quadratmeter Verkaufsfläche sollten die generelle Erlaubnis erhalten, an Sonn- und Feiertagen zu öffnen.

Widerspruch zu den Plänen kommt nicht nur von den Gewerkschaften. Auch die regierende SPD winkt ab. Deren wirtschaftspolitischer Sprecher, Jan Balcke, nennt die Debatte einen alten Hut. "Wir haben eine bewährte und gute Regelung." Die SPD halte an den vier verkaufsoffenen Sonntagen fest. Das gelte auch für den "Hamburger Sonntagsfrieden", der eine Ladenöffnung an den Adventssonntagen im Interesse der Beschäftigten ausdrücklich ausschließe.

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erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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