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Kahlschlag bei der Hypovereinsbank

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Münchner Zentrale kündigt das Aus für 1500 Mitarbeiter an / Zukunft der 59 Filialen in Schleswig-Holstein ist offen

Texil- und Buchhändler leiden schon lange unter dem Triumphzug des Online-Handels. Jetzt bekommen auch Bankmitarbeiter die Auswirkungen der digitalen Revolution hautnah zu spüren. Weil immer mehr Menschen ihre alltäglichen Bankgeschäfte inzwischen via Internet abwickeln, lässt die Kundenfrequenz in den Schalterhallen von Banken und Sparkassen zu wünschen übrig. Die Hypovereinsbank (HVB) – ohnehin wegen schlechter Geschäfte gebeutelt – zieht jetzt die Notbremse. In Deutschland macht sie die Hälfte ihrer 580 Filialen dicht. Dadurch werden rund 1500 Stellen wegfallen, wie die Münchner Traditionsbank gestern bestätigte. Noch ist völlig unklar welche der 59 Niederlassungen im nördlichsten Bundesland betroffen sind. Traditionell ist die Hypovereinsbank in Schleswig-Holstein besonders stark vertreten, da in ihr 2005 die damalige Vereins- und Westbank mit ihrem dichten Filialnetz aufging.

„Wir werden zunächst mit den lokalen Führungskräften sprechen und über sie die die Betriebsräte informieren“, erklärte Hypo-Sprecherin Birgit Zabel das Verfahren. Es werde auf jeden Fall noch einige Zeit dauern, bis die Details ausgearbeitet sind. Mit Nachdruck wehrte sie sich auch gegen den Eindruck, die Hypovereinsbank wolle sich aus der Fläche zurückziehen. Das Gegenteil sei der Fall: „Zwar werden wir Filialen schließen, andererseits investieren wir in die Mulitkanal-Beratung unserer Kunden“, sagte sie. Gemeint ist damit, dass künftig neben den klassischen Beratungsgesprächen in den Filialen auch Videoberatungen durch sogenannte Onlinefilialen angeboten werden. Zabel wollte nicht ausschließen, dass diese womöglich von Vietnam oder vom sonstigen Ausland aus die Gespräche mit hiesigen Kunden führen werden. Insgesamt werde die Bank eine „signifikante Investionssumme“ in die Hand nehmen, um die verbleibenden Filialen aufzupeppen, erklärte die Sprecherin.

HVB-Chef Theodor Weimer hatte den Kahlschlag bereits im März angekündigt, nun hat sich der Vorstand nach langwierigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat auf die Details verständigt. Trotz des Kahlschlags im Filialnetz würden 85 Prozent der HVB-Kunden innerhalb von fünf Kilometern die nächste Filiale erreichen, versicherte Finanzchef Peter Hofbauer.

Schuld an der Misere der Bank ist nicht nur das Internet sondern auch das flaue Investmentbanking-Geschäft. Die Tochter der italienischen Großbank UniCredit leidet wie andere Investmentbanken darunter, dass viele Unternehmen derzeit weniger Geschäfte zur Absicherung von Währungs- oder Zinsrisiken abschließen. „Das enorm niedrige Zinsniveau hat auch bei uns Spuren hinterlassen,“ sagt Weimer. Deshalb brach der Gewinn im ersten Halbjahr um über die Hälfte auf 334 Millionen Euro ein. „Es lässt sich nicht leugnen, dass wir in schwierigen Zeiten leben in dieser Branche“, heißt es in der Münchner Zentrale. Da die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null bleiben werden und auch wichtige Währungen zuletzt kaum schwankten, sehen gerade kleinere Unternehmen weniger Bedarf, Währungs- und Zinsrisiken abzusichern. Mangelnde Volatilität bedeute auch mangelndes Ergebnis. Die Flaute im Investmentbanking führt dazu, dass die HVB aktuell nicht mehr der dominierende Gewinnbringer der UniCredit-Gruppe ist. In den vergangenen beiden Jahren, in denen die Münchner mehr Gewinn machten als ihre größten Konkurrenten Deutsche Bank und Commerzbank zusammen, war die HVB für die Italiener einer von wenigen Lichtblicken.

Während das Investmentgeschäft derzeit lahmt, wirft das Privat- und Firmenkundengeschäft etwas mehr Gewinn ab als vor Jahresfrist. Zu den Aussichten für das Gesamtjahr äußerte sich die Bank zurückhaltender als im Frühjahr. Die Vorhersage vom März, als Weimer einen Vorsteuergewinn nur leicht unter dem Vorjahreswert von 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatte, wollte Finanzchef Hofbauer jetzt nicht mehr wiederholen. Die HVB gehe aber nach wie vor von einem zufriedenstellenden Ergebnis aus, erklärte der Österreicher. „Angesichts der Marktlage ist zufriedenstellend unterhalb des Vorjahres.“

Die Bankerwartet im zweiten Halbjahr Rückenwind durch den kürzlich verkündeten Verkauf ihres Internetbrokers DAB. Die Münchner geben ihre DAB-Mehrheitsbeteiligung für 354 Millionen Euro an die französische Bank BNP Paribas ab und werden dadurch laut Hofbauer einen Buchgewinn von mehr als 100 Millionen Euro einfahren. Abgeschlossen werden soll der 354 Millionen Euro schwere Deal, der sich positiv auf die Zahlen der HVB auswirken dürfte, jedoch erst im zweiten Halbjahr.
Die italienische Konzernmutter UniCredit drückt derzeit massiv auf die Kosten. Sie will bis 2018 rund 8500 Stellen streichen.

Allen Belastungen zum Trotz ist der Kapitalpuffer der HVB schon heute weiter deutlich dicker als bei den meisten Konkurrenten: Ende Juni kam die HVB auf eine harte Kernkapitalquote von 21,3 Prozent.

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erstellt am 06.Aug.2014 | 13:31 Uhr

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