Jetzt kommt die Flut

shz.de von
23. Januar 2015, 14:11 Uhr

Es ist bedauerlich, dass das „Unwort des Jahres“ bereits vergeben ist. Nicht „Lügenpresse“ hätte es sein müssen, sondern „Geldflut“. Normalerweise sorgt die Natur für die Flut. An der Westküste täglich und meist harmlos, manchmal als Katastrophe. Insgesamt ist der Begriff negativ besetzt, denn nur wenige profitieren, viele holen sich nasse Füße. Ähnlich wird es wohl bei der bevorstehenden „Geldflut“ sein. Wenn selbst eine Mehrheit der Wirtschaftsweisen die Ansicht vertritt, das Öffnen der Schleusentore sei ein Fehler, dann darf gefragt werden, ob an der EZB-Spitze ein Mann stehen sollte, der tief in Italien verwurzelt ist. Es ist verwunderlich, wofür Tausende im Protest auf die Straße gehen und gleichzeitig klaglos die Begründung für die angekündigte „Geldflut“ hinnehmen. Sie sei erforderlich, damit die Preise nicht weiter sinken. Dann nämlich würden die Kunden nicht etwa tüchtig einkaufen, sondern warten, bis alles noch billiger werde. Könnte nicht genau das Gegenteil richtig sein? Man tankt jetzt öfter, weil es günstig ist. Aber eine Besonderheit hat die „Geldflut“. Anders als in der natürlichen Form trifft sie nicht die Bewohner tieferer Lebensräume, sondern „die da oben“.

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