Repräsentative Umfrage : Jeder Fünfte befürwortet das Festhalten an Atomkraft

ARCHIV - 02.12.2014, Niedersachsen, Grohnde: Das Kernkraftwerk Grohnde in der Gemeinde Emmerthal. (zu dpa 'Lies sieht keine Probleme für Stromversorgung nach AKW-Aus' vom 08.05.2018 Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Unter Männern sind es sogar 25 Prozent, die sich bei günstigeren Preisen mit Nuklearenergie abfinden könnten.

Steigende Strompreise lassen Verbraucher Vorbehalte gegen Nuklearenergie ablegen – obwohl Öko-Strom günstiger wird.

shz.de von
09. Mai 2018, 17:55 Uhr

Heidelberg | Jeder fünfte Bundesbürger befürwortet das Festhalten an Atomkraft – wenn es sich im eigenen Portemonnaie bemerkbar macht. Das ergibt eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Verivox. Unter den Männern sind es demnach sogar 25 Prozent, die sich bei günstigeren Preisen mit Nuklearenergie abfinden könnten.

Das Verbraucherportal hatte 1000 Personen im Alter von 18 bis 59 Jahren unter anderem dazu befragt, welche Erwartungen sie an die Stromanbieter haben, wie wichtig Service ist und was sie dafür zahlen würden. Zwar gaben mit 90 Prozent die meisten von ihnen an, dass ein guter Kundenservice wichtig oder sehr wichtig ist – jeder Zweite (51 Prozent) würde aber auch dabei Abstriche machen, wenn er so Geld sparen könnte.

Strom wird immer teurer

Seit der Strommarkt-Liberaliserung vor 20 Jahren sind die Tarife für Energie aus der Steckdose fast permanent gestiegen. Musste ein durchschnittlicher Haushalt nach Zahlen des Branchenverbands BDEW 1998 noch umgerechnet gut 17 Cent pro Kilowattstunde zahlen, so sind es aktuell fast 30 Cent. Preistreiber sind Steuern, Abgaben und Umlagen sowie die Netzentgelte, die private Verbraucher zuzüglich zum eigentlichen Kilowattstundenpreis zahlen müssen. Sie machen inzwischen rund 78 Prozent der Stromrechnung aus.

Gleichzeitig werden Wind- und Solarstrom wegen der verringerten staatlichen Subventionen und der Ausschreibungsregeln für neue Anlagen jedoch zusehends billiger, schätzt die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende. Dass die Kosten für Haushaltskunden zulegen, liege vor allem an den höheren Preisen im Strom-Großhandel, die ihrerseits durch teurere Rohstoffe wie Erdgas, Kohle oder Erdöl getrieben seien.

Verbraucher fühlen sich unzureichend informiert

Wie die Verivox-Umfrage weiterhin ergab, wünschen sich acht von zehn Verbrauchern (78 Prozent) schnelle Reaktionszeiten ihres Anbieters. 62 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass sie einfache Vertragsangelegenheiten – beispielsweise die Übermittlung von Zählerständen – online durchführen können. Für über die Hälfte (58 Prozent) gehört zu einem guten Service auch, dass der Stromanbieter ungefragt und selbstständig einen günstigeren Tarif (sofern vorhanden) vorschlägt. Die junge Altersgruppe der 18- bis 19-Jährigen (64 Prozent) wünscht sich zusätzlich eine umfassende und individuelle Beratung.

Als eher nervig empfindet es die Mehrheit der Befragten (83 Prozent), wenn Preiserhöhungen und Vertragsänderungen in E-Mails, Werbebroschüren oder langen Texten versteckt werden. Drei Viertel von ihnen (74 Prozent) ärgern sich zudem, wenn sie unzureichend oder falsch informiert werden. Sieben von zehn Stromkunden (70 Prozent) ärgert es, wenn Mitarbeiter sie unfreundlich behandeln. Auch für lange Wartezeiten an der Telefonhotline haben 44 Prozent der Befragten kein Verständnis.

Für die Stromanbieter gut zu wissen: Schlechter Kundenservice hat oft Folgen, denn die Mehrheit der Stromkunden (63 Prozent) schaut sich dann zeitnah nach einem neuen Anbieter um. Sechs von zehn Verbrauchern (60 Prozent) würden sich zudem auch direkt beim Unternehmen beschweren, während mehr als jeder Zweite (55 Prozent) seine negativen Erfahrungen mit Familie, Freunden und Arbeitskollegen teilt. Allerdings würde nur jeder Zehnte (zehn Prozent) seinen Ärger über das Unternehmen in den sozialen Medien veröffentlichen.

mit dpa

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen