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100 Jahre IfW in Kiel : Institut für Weltwirtschaft hilft „Waisen unserer Zeit“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wissenschaftliche Exzellenz an der Förde: Das Kieler Institut für Weltwirtschaft feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Kiel | Es ist ein Waisenhaus: Nicht so eines, wie es Charles Dickens in seinem Roman Oliver Twist beschrieben hat. Und doch geht es im Gebäude am Hindenburgufer Nummer 66 in Kiel mitunter auch um Armut und Kinderarbeit. Doch daneben auch um den Kampf gegen den Klimawandel, die Folgen der Globalisierung und entfesselte Finanzmärkte. In diesem Jahr feiert das Institut für Weltwirtschaft (IfW) sein 100-jähriges Bestehen. Institutschef Dennis J. Snower zufolge kümmere sich die Einrichtung dabei um all jene Probleme, die kein Land allein lösen kann und daher für viele Politiker meist uninteressant seien. „Ich bezeichne sie als Waisen unserer heutigen Zeit.“

Als „Königliches Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft“ gründete Staatswissenschaftler Bernhard Harms am 22. Februar 1914 jene Einrichtung, die sich in den kommenden Jahrzehnten von Kiel aus zu einem weltweit beachteten Forschungsinstitut entwickeln sollte. Mit den goldenen 20er-Jahren erlebte das spätere IfW gleich seinen ersten Aufstieg. Der Finanzwissenschaftler Gerhard Colm, der später maßgeblich als Berater an der Währungsreform im Nachkriegsdeutschland beteiligt war, forschte in dieser Zeit genauso an der Förde wie der Soziologe Adolf Löwe – ein Weggefährte von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.

Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sollte dem schnellen Aufstieg ein abruptes Ende bereitet werden. Institutsgründer Harms kämpfte noch vergeblich für einige Wochen gegen die Entlassung jüdischer Mitarbeiter. Er selbst – Verfechter der Republik – wurde seines Amtes enthoben. Kurze Zeit hatte Jens Jessen den Posten als Institutsleiter inne, überwarf sich jedoch mit der NS-Führung. Zehn Jahre später, am 20. Juli 1944 , war der Wirtschaftswissenschaftler einer der Akteure hinter dem versuchten Bombenattentat auf Adolf Hitler. Auf Jessen folgte Andreas Predöhl – und mit ihm wurde die Forschung in Kiel in den Dienst des Regimes gestellt.

„Es gehört zu den wenigen Instituten, die ökonomische Fragen nicht aus einer nationalen, sondern aus einer globalen Sicht bewerten“, streicht IfW-Chef Snower heute die Vorzüge der Einrichtung heraus. Auch deshalb reiche der Ruf des Instituts weit über Deutschland hinaus. Tatsächlich musste dieser Ruf nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch hart erarbeitet werden.

Fritz Baade und Erich Schneider bauen das Institut wieder auf – in materieller, finanzieller und ideeller Hinsicht. Neben der Forschung wird die Ausbildung wesentlicher Bestandteil. Mit Herbert Giersch und Horst Siebert wächst der Einfluss aufs bundespolitische Geschehen. Ob es nun um die Deutsche Einheit oder die Schröder’schen Reformen des Sozialstaates und der „Agenda 2010“ geht – das Wort der IfW-Forscher hat Gewicht in Bonn und Berlin.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 10:30 Uhr

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