Recherchen von Team Wallraff : Insolvenz bei Yi-Ko: Darum geht's beim Burger-King-Streit

Die Gespräche sind geplatzt, der umstrittene Franchiser Yi-Ko meldet Insolvenz an. Und jetzt? Fragen und Antworten.

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10. Dezember 2014, 17:27 Uhr

München | Alte Brötchen, dreckige Küchen, schlechte Arbeitsbedingungen: Diese Vorwürfe brachten dem Franchiser Yi-Ko die Kündigung von Burger King ein. Erst sollte ein Gericht entscheiden, dann setzten sich Yi-Ko und Burger King doch an einen Tisch. Aber die Verhandlungen scheiterten. Und Yi-Ko hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt. Das müssen Sie jetzt wissen:

Yi-Ko hat Insolvenz angemeldet - und was passiert jetzt?

Der Antrag ging am Mittwoch beim Amtsgericht Stade ein. Das Unternehmen sei nach eigenen Angaben überschuldet, sagte der Direktor des Amtsgerichts, Willi Wirth. „Der zuständige Insolvenzrichter prüft den Antrag und wird unverzügliche eine Entscheidung zu den vorläufigen Maßnahmen treffen.“ Der Insolvenzantrag wurde demnach für die Betreibergesellschaft Burger King GmbH von Yi-Ko gestellt. Das Amtsgericht werde nun zunächst einen vorläufigen Insolvenzverwalter benennen, der umgehend seine Tätigkeit aufnehme und sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschaffe.

Was bedeutet die Insolvenz für die Schnellrestaurants?

Das ist erst einmal offen. Die Fast-Food-Kette sieht nun den „Weg frei für einen kompletten Neuanfang“. erklärte. Man werde „eng mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter zusammenarbeiten und versuchen, schnellstmöglich eine Lösung für die Wiedereröffnung der Restaurants und die Sicherung der Arbeitsplätze zu finden“. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sah vor einigen Tagen eine mögliche Insolvenz eher als Chance..

Wie kam es zu dem Streit um die Marken-Nutzung?

Im November kündigte Burger King seinem größten deutschen Franchiser fristlos. Die Begründung: Der Franchisenehmer Yi-Ko habe wiederholt gegen vereinbarte Arbeitsbedingungen verstoßen. Dabei machte die Fast-Food-Kette auch unmissverständlich klar, dass Yi-Ko nicht mehr unter dem Namen Burger King weitermachen dürfe. Keine Außenwerbung, keine „Whopper“ und „King Nuggets“, keine Arbeitskleidung mit dem Firmenlogo mehr - de facto bedeutete schon dieser Schritt das vorläufige Aus für die betroffenen Filialen. Hinzu kam ein Lieferstopp, so dass den Schnellrestaurants schon bald die Waren ausgingen.

Wie steht es um Yi-Ko und die betroffenen Beschäftigten?

Die Lage von Yi-Ko gilt als kritisch, auch weil in diesen Tagen weitere Lohn- und Gehaltszahlungen an die Mitarbeiter der Schnellrestaurants fällig sind. Bis zum Vortag seien diese Gelder nicht eingegangen, sagte Gastronomie-Experte Guido Zeitler von der Gerwerkschchaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Man merke, dass die 3000 betroffenen Beschäftigten unter einem enormen Druck stünden und die Stimmung mittlerweile aggressiver werde. Das habe sich auch bei einer Mitarbeiterversammlung am Vortag in Dortmund gezeigt.

Wer steht eigentlich hinter Yi-Ko?

Ursprünglich gab es zwei Gesellschafter bei der Yi-Ko Holding mit Sitz in Stade: Ergün Yildiz und Alexander Kolobov. Ende November trat Yildiz seine Anteile an Kolobov ab. Der Russe verhandele nun als alleiniger Gesellschafter mit Burger King Europe über eine Fortführung seines Unternehmens. Geschäftsführer ist Dieter Stummel.

Sind auch Filialen in SH oder Hamburg betroffen?

Nein. Die 89 Filialen von Yi-Ko liegen vor allem in NRW, Bayern und Hessen. Gegen Burger-King-Restaurants in Norddeutschland gibt es keine Ekel-Vorwürfe

Was hat Günter Wallraff damit zu tun?

Das RTL-Magazin „Team Wallraff“ brachte im April den Stein ins Rollen. Wallraff schickte seinen Investigativ-Journalisten Alexander Römer alias Bewerber „Tobias“ mit versteckter Kamera in verschiedene Burger-King-Filialen des Franchisenehmers Ergünl Yildiz, der mit seiner Yi-Ko Holding GmbH im vergangenen Jahr 89 Filialen in Mittel- und Süddeutschland übernommen hatte. Im November wurde eine zweite Sendung über die Burger-King-Filialen ausgestrahlt. Noch vor dem Sendetermin kündigte Burger King Yi-Ko.

Was genau lief in den Filialen schief?

Die Liste der Ekel-Fakten ist lang: Vertauschte Etiketten, um eine längere Haltbarkeit der Lebensmittel vorzutäuschen. Alte Brötchen. Keine Schutzhandschuhe bei Schneidegeräten. Und beim zweiten Besuch des RTL-Rechercheteams tropfte Wasser aus einer Toilette im ersten Stock in die Küche. Yi-Ko habe gegen Arbeitsverträge verstoßen, hieß es von Burger King zur Begründung der fristlosen Kündigung. Schichten in den Restaurants seien unterbesetzt gewesen.

Wie landete der Streit vor Gericht?

Weil Yi-Ko viele der Burger-Bratereien anfangs trotzdem noch offen hielt, erwirkte Burger King eine Einstweilige Verfügung vor dem Landgericht München und ließ Yi-Ko damit die Nutzung der Marke verbieten. Yi-Ko legte dagegen Widerspruch ein, über den das Landgericht jetzt von Gesetzes wegen mündlich verhandeln muss.

Warum wurde doch nicht verhandelt?

Beide Seiten teilten kurz vor dem Termin am Montag mit, dass sie die Verhandlung vor dem Landgericht München vertagen lassen würden. Eine Einigung stehe „unmittelbar bevor“, sagte Rechtsanwalt Dominik Ziegenhahn von der Kanzlei Graf von Westphalen, die Yi-Ko vertritt. Daher habe es keinen Sinn, „sich parallel zu einer streitigen Gerichtsverhandlung vor dem Gericht zu treffen“.

Was wurde aus den außergerichtlichen Verhandlungen?

In den vergangenen Tagen hatte sich während eines Verhandlungsmarathons zeitweise eine Einigung abgezeichnet. So sagten die Parteien eine ursprünglich für Montag angesetzte Gerichtsverhandlung ab, offenbar, um die Gespräche nicht zu belasten. In der Kürze der Zeit und mangels ausreichender Informationen sei es aber nicht möglich gewesen, „die potenziellen Risiken in der ehemaligen Yi-Ko abzuschätzen“, erklärte der Burger-King-Sprecher.

 
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