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Innenstädte – die große Leere

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kommunen aller Größen sind in Schleswig-Holstein betroffen / Starke Konkurrenz durch „grüne Wiese“ und Internet

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2014 | 16:36 Uhr

„Zu vermieten“ steht auf einem Schild, dazu eine Telefonnummer – leerstehende Geschäftsräume trüben landesweit in Schleswig-Holstein das Bild von Innenstädten. Kleine und mittelgroße Städte sind betroffen, aber auch Kiel und Lübeck. Die Hansestadt hat sogar eine Leerstandsquote von zehn Prozent, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Dierk Böckenholt. Erhebliche Probleme mit Quoten von mehr als zehn Prozent haben auch Städte wie Marne in Dithmarschen oder Bredstedt in Nordfriesland. „Wir erleben momentan einen enormen Strukturwandel“, sagt Böckenholt. Einkaufsparks auf der „grünen Wiese“ machen dem Innenstadt-Handel das Leben schwer, natürlich das Internet, aber auch hohe Mietforderungen und ein Überangebot an Ladenflächen. „Wir haben im Land eine sehr hohe Verkaufsflächendichte von 1,8 Quadratmetern je Einwohner“, sagt Böckenholt. 1,5 Quadratmeter sind Bundesschnitt, einen Quadratmeter haben Frankreich und Italien. Fünf Prozent Leerstand sind normal, zehn eher bedenklich. „Insbesondere die Zunahme der Verkaufsflächen sowie der Trend zu großflächigen Verkaufseinrichtungen am Rande und im Umland von Städten hat zu einer Frequenz- und Umsatzverschiebung zulasten des innerstädtischen Handels geführt“, sagt auch der Hauptgeschäftsführer der IHK Kiel, Jörg Orlemann. Leerstände sind eine Folge.

Da die Umsätze im Einzelhandel mit seinen rund 115 000 Beschäftigten im Land stagnieren, fehlen vielen Inhabern auch Investitionsmittel. Erschwerend wirkt, dass der Anteil des Einzelhandels am privaten Konsum sinkt. Urlaub, Freizeit, Smartphone- und PC-Kosten schlagen stärker zu Buche. „Als Brandbeschleuniger wirkt der Online-Handel“, sagt Böckenholt. Dessen Anteil am Einzelhandelsumsatz werde voraussichtlich bis 2020 von neun auf 20 Prozent steigen.

Wichtig ist das Engagement der Kaufleute für ihre Einkaufsgegend. „Die Innenstadt als ein Shopping Center – das kann ein erfolgversprechender Ansatz sein“, sagt IHK-Mann Orlemann. „Wir fordern auch die Landesplanung auf, die Innenstädte stärker in den Blick zu nehmen und ihnen nicht durch neue Ausnahmegenehmigungen für die ’grüne Wiese’ das Leben noch schwerer zu machen“, sagt Orlemann.

Eine lange gehegte Befürchtung bestätigt sich offenkundig nicht: Dass unter dem Designer Outlet Center Neumünster die Innenstädte des ganzen Großraums leiden werden. „Das DOC stellt für uns keine wesentliche Beeinträchtigung dar“, sagt Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast. Vorgänger Andreas Breitner (beide SPD) kämpfte vehement gegen das Center für preisgesenkte Markenkleidung.

Flensburgs Innenstadt ist zum Einkaufen attraktiv, aber Leerstände gibt es auch. Hauseigentümer und Gewerbetreibende fördern die Vermarktung gemeinsam – auch in Richtung Dänemark. Dafür zahlen im engeren City-Bereich die Eigentümer 15 Euro monatlich je laufenden Meter Ladenfront.

Unübersehbar sind zum Teil noch Folgen aus dem Hertie-Aus 2009. In Itzehoe, Husum und Elmshorn sorgten ortsansässige Kaufleute für neue Nutzungen der Häuser, in Rendsburg etwa steht das Gebäude noch trostlos leer in der Einkaufszone. Aber es gibt Hoffnung. „Ich bin da sehr zuversichtlich“, sagt Gilgenast unter Hinweis auf zwei interessierte Investoren. Wird am Hertie-Standort neu gebaut, kann das die ganze Umgebung beleben. Mit fünf Prozent Leerstand ist Rendsburg noch im Soll. „Aber die Leerstände lasten auf dem Gesamtbild“, sagt Gilgenast.

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