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Stellenabbau : IG Metall kämpft bei EADS auf schwierigem Gelände

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Trillerpfeifen und Transparente bleiben noch im Schrank. Die „Friedensgewerkschaft“ will die Kürzungspläne im Rüstungsgeschäft der EADS prüfen, weitere Infos abwarten und dann verhandeln. Tausende Jobs sollen wegfallen - doch die IG Metall kämpft auf schwierigem Gelände.

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erstellt am 10.Dez.2013 | 15:48 Uhr

München | Vom Zorn des jüngsten EADS-Aktionstages ist bei der IG Metall vorerst nicht viel geblieben. Nach ersten Berichten über den Abbau Tausender Arbeitsplätze in der neuen Rüstungssparte von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hatte die Gewerkschaft Ende November noch Tausende Mitarbeiter vor die Werkstore gerufen. Nun ist klar: Der Konzern will bis 2016 rund 5800 Jobs streichen, den größten Teil davon in Deutschland. Konzernchef Tom Enders hatte zuletzt betriebsbedingte Kündigungen in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der französischen Tageszeitung „Libération“ nicht völlig ausschließen wollen. Diese werde die IG Metall zwar nicht hinnehmen - doch statt zorniger Empörung sendet die Gewerkschaft konstruktive Signale an Enders.

„Ich versuche immer gefasst zu bleiben“, sagt Betriebsratschef Rüdiger Lütjen am Dienstag. Noch wisse er zu wenig über die konkreten Pläne von EADS. Über die große Gesamtzahl hinaus sei kaum etwas klar.

Erst im Januar oder Februar werde man Genaueres wissen. Dann müsse man schauen und dann mit dem Unternehmen die Modalitäten verhandeln.

Schnell werde das nicht gehen. „Wir gehen davon aus, dass die Verhandlungen Monate dauern werden“, sagt Lütjen. Genau wie die IG Metall-Führung weiß der Betriebsrat, dass sich die Gewerkschaft gerade in Fragen der Rüstungsindustrie auf vermintem Gelände bewegt, denn auch die IG Metall versteht sich als „Friedensgewerkschaft“.

Für Gewerkschaftsvorstand Jürgen Kerner eine Herausforderung, aber eine lösbare. „Diesem Spagat hat sich die IG Metall noch immer gestellt“, sagt er. Wie Lütjen weiß aber auch Kerner, dass EADS trotz der Milliardengewinne, die der Konzern dank der Flugzeugtochter Airbus einfährt, in der Rüstung vor riesigen Problemen steht.

Dabei hatte es vor dem Scheitern der Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems mit EADS noch ganz anders ausgesehen. Neben den Möglichkeiten, neue Märkte zu erschließen und Kosten zu sparen, hatte Enders im Falle einer Fusion sogar eine Jobgarantie für deutsche Standorte abgegeben.

Doch mit dem krachenden Ende des Deals im Oktober 2012 ist davon nichts mehr übrig - im Gegenteil.

Enders hatte nach dem Scheitern gesagt, dass nun alles auf den Prüfstand müsse. Nun sollen Tausende Stellen weg. Der Chef der neuen Rüstungssparte Airbus Defence & Space, Bernhard Gerwert, hält weitere Einschnitte für möglich. Kritik aus Berlin fürchtet Enders nicht.

"Ich bin sehr entspannt, was die Reaktionen aus der Politik angeht."

Es gehe nicht um die Rendite, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit von EADS, betont Enders ein ums andere Mal. “Wir werden sehen, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen oder ob es weitere Kürzungen geben muss." Klar sei: “Das wird nicht das letzte Umbauprogramm in diesem Bereich sein", sagt der EADS-Chef.

Auch bei der IG Metall sieht man die Politik in der Pflicht. Die künftige Bundesregierung müsse dringend eine industriepolitische Strategie für die Rüstung entwickeln. Zumindest bei den Verhandlungen um den aktuellen Stellenabbau herrscht in Berlin Zurückhaltung.

Signalisiert wird, man will sich nicht einmischen.

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