Gutachten : HSH Nordbank verliert dramatisch an Wert

HSH-Nordbank-Chef Constantin von Oesterreich.
HSH-Nordbank-Chef Constantin von Oesterreich.

Laut einem Gutachten sinkt der Wert der Beteiligungen von Hamburg und Schleswig-Holstein an der Nordbank um ein Drittel.

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02. April 2013, 11:49 Uhr

Kiel/Hamburg | Die HSH Nordbank funkt immer lauter SOS. Der größte Schiffsfinanzierer der Welt bleibt wegen der Krise der Schifffahrtsbranche in schwerer See. Unter Druck geraten dabei auch die Haupteigentümer des Instituts, Schleswig-Holstein und Hamburg.

Nach einem noch unveröffentlichten Gutachten soll die Beteiligung der Länder seit Mitte 2012 dramatisch an Wert verloren haben. Informationen des sh:z zufolge bedeutet das für den von den Ländern getragenen HSH Finanzfonds einen Korrekturbedarf von bis zu 800 Millionen Euro.

Entwicklung nicht überraschend

Die Entwicklung kommt alles andere als überraschend. Fast die Hälfte der Schifffahrtskunden der HSH Nordbank ist von der anhaltenden Krise der Branche betroffen. Im Ergebnis bedeutet dies: Die Bank muss ihre Risikovorsorge für ausfallgefährdete Schiffskredite aufstocken. Das drückt die Kernkapitalquote. Daher wollen beide Länder ihre Garantien für das Institut um drei Milliarden auf zehn Milliarden Euro anheben. Damit steigt zwar die Kernkapitalquote wieder auf 11,6 Prozent. Die für die zusätzlichen drei Milliarden Euro fälligen Garantien, die den Ländern zufließen, belasten die Bank mit zusätzlich 120 Millionen Euro. Für den Garantieschirm wären danach künftig insgesamt 400 Millionen Euro an Provisionen fällig - nicht gerechnet die Zusatzprämien. All das drückt den Unternehmenswert der Bank, dient aber nach HSH-Angaben dazu, "eine adäquate Kapitalausstattung - auch unter den künftigen Anforderungen von Basel III - sicherzustellen und die Bank dauerhaft zu stärken".

Bisher standen die rund 200 Millionen HSH-Aktien mit knapp zwölf Euro in der Bilanz des Finanzfonds. Nach dem vorläufigen Bewertungsgutachten eines Wirtschaftsprüfers ist der Aktienwert auf unter acht Euro gefallen, bestätigte die Bank auf Nachfrage. Damit sinkt der Beteiligungswert der Länder um gut 800 Millionen Euro. Dem steht ein Eigenkapital des Finanzfonds von 300 Millionen Euro gegenüber. Damit bliebe eine Deckungslücke von 500 Millionen Euro. Die Last teilen sich Hamburg und Schleswig-Holstein je zur Hälfte. Ob, wann und in welchem Umfang diese Zahlen auf die Länderetats durchschlagen, ist unklar.

Finanzfonds kann nicht pleite gehen

Eine Pflicht zur Kapitalaufstockung ergibt sich aus der Entwicklung nicht. Der Finanzfonds ist eine Anstalt öffentlichen Rechts, die anders als ein privatrechtlich gehaltenes Institut nicht pleite gehen kann. HSH-Nordbank-Chef Constantin von Oesterreich hatte die Gefahr von Verlusten für den Steuerzahler wegen des vergrößerten Risikoschirms zuletzt als "derzeit gering" eingestuft. Für das Vorjahr liege der Verlust auf einem "sehr niedrigen dreistelligen Millionenbetrag", sagte von Oester reich in einem Interview. Exakte Zahlen legt die Bank am 11. April vor.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) betonte, die bestehenden Risiken aus dem Altgeschäft der HSH Nordbank seien eine weitere Last der Vergangenheit. Frühere Parlamente und Landesregierungen hätten dem Institut Milliarden an Gewährträgerhaftung, Garantien und Krediten gewährt. "Die heutigen Parlamente und Landesregierungen müssen damit umgehen, dass aus den eingegangenen Verpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl unter der Zweitverlustgarantie als auch durch den Wert der Aktien Verluste realisiert werden." Inwieweit die Rückstellungen, die der Finanzfonds aus den Garantiegebühren der Bank bildet, ausreichen werden, um diese Verluste aufzufangen, werde die Zukunft zeigen, sagte Heinold.

Während die CDU-Fraktion ihre Forderung nach einer Vorsorge für eine Schieflage des Finanzfonds im Landesetat erneuerte, warnte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki davor, die Situation nicht "durch weitere unkluge Maßnahmen" zu verschlimmern. "Von abstrusen Ideen wie dem Ankauf illiquider, toxischer Wertpapiere durch den HSH Finanzfonds muss dringend Abstand genommen werden." Die Deckungslücke des Finanzfonds dürfe nicht noch weiter vergrößert werden.

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