Landesbank für SH und HH : HSH Nordbank-Verkauf: Angebotsfrist für Bieter läuft ab

Der Haupteingang der HSH Nordbank in Hamburg.
Der Haupteingang der HSH Nordbank in Hamburg.

Zehn potenzielle Käufer stehen bereit. Die 10-Milliarden-Garantie der Länder ist aufgebraucht.

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31. März 2017, 07:22 Uhr

Die Braut ist geschmückt – jedenfalls so gut es geht. Ab Freitag muss sich zeigen, ob die HSH Nordbank für einen Käufer tatsächlich attraktiv genug ist. Um 24 Uhr endet die Frist für die Abgabe erster, noch unverbindlicher Gebote zur Übernahme der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Bisher hätten sich mehr als zehn mögliche Käufer aus Europa und darüber hinaus gemeldet, darunter strategische und Finanzinvestoren, verriet Vorstandschef Stefan Ermisch am Donnerstag. Die Qualität der Interessenten sei „absolut im grünen Bereich“. Er gehe davon aus, dass die Bank einen Käufer finde und fortbestehe.

Die HSH Nordbank war während der Finanzkrise in eine Schieflage geraten und ächzt bis heute unter einem Berg fauler Schiffskredite. Der Staat musste damals einspringen und stützte die Bank mit einer milliardenschweren Garantie. Auf Druck der EU müssen sich die Besitzer - die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein - bis Anfang 2018 von der HSH Nordbank trennen, andernfalls wird sie abgewickelt.

Ist bis 28. Februar 2018 kein neuer Eigentümer gefunden, ist die HSH abzuwickeln, so will es die EU. Eine solche Liquidierung des staatlichen Geldhauses hatten die Landesregierungen in Kiel und Hamburg stets als teuerste Variante für die Steuerzahler bezeichnet. Namen möglicher Käufer nannte Ermisch nicht und verwies auf die Zuständigkeit der Bundesländer.

Der HSH-Chef und seine Vorstandskollegen haben das Ihre getan, um eine Übernahme wahrscheinlicher zu machen. Die am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen für 2016 zeigen eine erstaunlich profitable Kernbank. So verdiente die Nordbank mit gesunden Geschäftsbereichen wie der Finanzierung von Immobilien und Infrastruktur vor Steuern 639 Millionen Euro, dreimal so viel wie 2015.

Darauf ist auch das positive Konzernergebnis von 121 Millionen Euro zurückzuführen. „Die Kernbank bietet erhebliches Wachstumspotenzial“, warb Ermisch. 300 bis 400 Millionen Euro Gewinn könne dieser gute Teil der HSH jährlich abwerfen, mithin eine Rendite von um die zehn Prozent.

Allerdings sieht die EU-Vorgabe vor, dass die Kernbank nur gemeinsam mit der Abbaubank veräußert werden darf. Letztere ist die Resterampe der HSH, prall gefüllt mit desaströsen Schiffskrediten. 300 Millionen Euro Verlust machte die Bad Bank im vorigen Jahr. Schlimmer noch: In ihr lagern weiterhin faule Schiffspapiere in einer Größenordnung von knapp 14 Milliarden Euro. Für einen Großteil davon besteht höchste Ausfallgefahr.

Nach Ablauf der ersten Bieterfrist werden Hamburg und Schleswig-Holstein die Angebote sichten und in Frage kommenden Interessenten die Bücher der Bank öffnen, um in konkrete Verhandlungen gehen zu können. Bis Jahresende soll feststehen, ob sich ein Käufer findet. Die Wahrscheinlichkeit, dass kein brauchbares Angebot eingehe, halte er für „sehr überschaubar“, sagte Ermisch und sinnierte sodann: „Es gibt für jeden Topf einen Deckel.“ Marktkenner deuten das Orakel in etwa so: Womöglich erhält ein Konsortium mehrerer Investoren den Zuschlag, die anschließend Kern- und Abbaubank untereinander aufteilen.

Derweil ist nun bittere Gewissheit, was längst erwartet worden war. Die zehn Milliarden Euro schwere Garantie ist für die Länder komplett verloren. 9,9 Milliarden davon seien zu Ende 2016 schon in Anspruch genommen worden, sagte Finanzvorstand Oliver Gatzke.

Zugleich schreitet der Personalabbau voran. Wie mit dem Betriebsrat vereinbart, sank die Zahl der Vollzeitstellen 2016 in Hamburg und Kiel um 220 auf 2160. Bis Ende 2018 soll die Belegschaft auf 1800 schrumpfen. Dennoch sei die Stimmung im Team gut, es gebe keinen Exodus qualifizierter Mitarbeiter, berichtete der Vorstandsvorsitzende. Ermisch: „Alle arbeiten sehr motiviert und sehr konzentriert daran, den Umbau voranzubringen.“


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