zur Navigation springen

Hamburg und Kiel : HSH Nordbank braucht zehn Milliarden Steuergeld

vom

Die maritime Krise verschärft sich weiter und hinterlässt eine „Schleifspur“ in der Bilanz der HSH Nordbank.

Hamburg/Kiel | Befürchtet haben es alle, nun ist die schmerzliche Erkenntnis auch halbamtlich. Stefan Ermisch, Vorstandschef der HSH Nordbank, geht davon aus, dass die taumelnde Landesbank den staatlichen Garantierahmen von zehn Milliarden Euro voll ausschöpfen muss. „Die Tendenz geht eindeutig in Richtung zehn Milliarden“, sagte er bei der Vorlage der Neunmonatszahlen.

Bis zu dieser Summe stehen die Eigner Hamburg und Schleswig-Holstein mit Steuergeld für Verluste der Nordbank ein, die vor allem unter milliardenschweren Schiffskrediten leidet. Die maritime Krise habe sich zuletzt weiter verschärft und ziehe „eine Schleifspur“ durch die Bilanz, sagte Ermisch. Wertberichtigungen und Risikovorsorge hätten 2016 erneut deutlich angehoben werden müssen. Die Hoffnung, für notleidende Schiffspapiere noch nennenswerte Erlöse zu erzielen, sei weiter geschwunden. Der Nordbanker: „Wir befinden uns im Endspiel der Schiffsfinanzierung, es wird hohe Abschreibungen geben.“ 

Die HSH hat Schiffskredite von 16,5 Milliarden Euro in den Büchern, etwa die Hälfte davon bringt weder Zins noch Tilgung. Mitte des Jahres hatte die Bank bereits faule Schiffspapiere im Wert von fünf Milliarden Euro abgestoßen und auf die Länder übertragen. Welche Beträge diese dafür auf dem Markt zurückholen können, steht in den Sternen.

Ansonsten gab sich der HSH-Kapitän betont zuversichtlich, den leckgeschlagenen Kahn HSH einigermaßen glimpflich ans Ufer steuern zu können. Bis Ende Februar 2018 muss ein Käufer gefunden sein, so hat es die EU verfügt. Andernfalls wird das Geldhaus unweigerlich abgewickelt. Die Markterkundung sei angelaufen, berichtete Ermisch.

Zwar haben dem Vernehmen nach führende deutsche Banken bereits abgewinkt, dennoch sieht der Vorstandschef gute Chancen, einen oder mehrere Käufer zu finden. „Wir sind in Amerika, in Europa und in Asien unterwegs“ beschrieb er die Sondierungen. Dabei stoße man auf „positive Neugier“. Die HSH werde als Ganzes angeboten, doch sei auch eine getrennte Veräußerung von Abbaubank und Kernbank denkbar.

Auf letztere setzte der Bankenchef seine größten Hoffnungen. Die Kernbank, in der die gesunden Geschäftsbereiche gebündelt sind, machte bis Ende September einen Vorsteuergewinn von 535 Millionen Euro, nach 347 Millionen im gleichen Vorjahreszeitraum; in der Bad Bank fiel ein Verlust von 151 Millionen an. 

Aufgrund der staatlichen Garantien stehen unter dem Strich schwarze Zahlen, für die ersten drei Quartale weist die Bank ein Vorsteuerergebnis von 183 Millionen Euro (2015: 110 Millionen) aus. Derweil schrumpft die Belegschaft weiter. Die Zahl der Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und Kiel sank in den zurückliegenden zwölf Monaten um rund 160 auf 2230.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Dez.2016 | 15:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen