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Ungenutzter Strom : Hohe Kosten für Bürger: Sturmtief Barbara und die Gänsebratenspitze

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Überangebot an Ökostrom an den Weihnachtstagen kostete die Bundesbürger mehr als 20 Millionen Euro

Weihnachten war für die Bundesbürger teuer: Es wurde viel Geld für Unterhaltungselektronik, Schmuck und Spielzeug ausgegeben – und für Strom, den niemand haben wollte. Orkantief Barbara ließ die Windräder auf Hochtouren laufen.

Allein am 25. Dezember wurden laut einer Analyse von Bloomberg 31,3 Gigawattstunden Windstrom erzeugt. Gleichzeitig brach die Nachfrage nach Strom über die Feiertage ein. Viele Unternehmen machten Betriebsferien, und draußen war es mit zehn Grad ungewöhnlich warm. Heizenergie wurde zum Ladenhüter. Selbst hunderttausende Backöfen, in denen Gänse brutzelten, konnten die Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage nicht wettmachen.

Die Vernichtung überflüssigen Ökostroms – schlimmer noch die Bonuszahlung an diejenigen, die ihn abnahmen (!) – hat die Bundesbürger nach Berechnungen von Experten rund 20 Millionen Euro gekostet.

Der Hintergrund: Jeder Produzent erneuerbarer Energien darf seine grünen Kilowattstunden ins Stromnetz einspeisen, unabhängig davon, ob auch entsprechende Nachfrage besteht. Die Netzbetreiber sind in jedem Fall verpflichtet, die Elektrizität abzunehmen und mit einem festen Vergütungssatz zu bezahlen. Obwohl zu Weihnachten die Produktion konventioneller Energien (Kohle, Gas, Atomstrom) soweit wie technisch möglich heruntergefahren wurde, war das Überangebot während der Feiertage enorm.

Bereits am Heiligabend rutschten die Börsenstrompreise in den negativen Bereich. Das heißt, die Stromnetzbetreiber verschenkten den deutschen Stromüberschuss zu diesem Zeitpunkt nicht nur, sie zahlten jedem Abnehmer sogar einen Minuspreis oben drauf. Laut Bloomberg fiel der Preis für Stromlieferungen am 25. Dezember zwischenzeitlich auf einen Negativwert von 10,95 Euro je Megawattstunde.

Angeblich sollen Industriebetriebe, die über die Feiertage ihre Produktion einstellten, ihre Anlagen deshalb nicht abgeschaltet oder gedrosselt haben, sondern für die Abnahme des eigentlich nicht benötigten Stroms kräftig kassiert haben. Ein lukratives Geschäft, das Privathaushalten verwehrt wird: Wer seinen Backofen weiter auf 220 Grad heizt, obwohl die Gans längst verspeist wird, zahlt drauf und bekommt keinen Scheck.

Nach Angabe der Denkfabrik Agora Energiewende sorgte die Stromschwemme an Weihnachten 35 Stunden lang für negative Strompreise. Während zu „normalen“ Zeiten Strom für rund 30 Euro pro Megawattstunde gehandelt wird, mussten die Stromnetzbetreiber am zweiten Weihnachtstag zeitweise „minus 67 Euro“ bieten, um noch irgendwo Abnehmer für den Überschuss-Strom zu finden. Interesse zeigten unter anderem die Alpenrepubliken mit ihren Wasserkraftwerken. Sie pumpten mit Hilfe des deutschen Gratisstroms Wasser in höher gelegene Stauseen und kassierten Boni. Bei der nächsten Flaute werfen sie ihre Turbinen an und verkaufen den Strom teuer.

Bitter für deutsche Endkunden: Sie profitieren nicht von den Minuspreisen. Im Gegenteil: 2017 müssen sie mehr für Energie zahlen – unter anderem wegen der höheren EEG-Umlage und gestiegener Netzentgelte. Nach aktuellen Zahlen vom Verbraucherportal Check24 erhöhen gleich zu Jahresbeginn 334 Energielieferanten ihre Preise – also rund 40 Prozent aller deutschen Stromversorger. Die Teuerung beträgt im Schnitt 3,5 Prozent und betrifft rund elf Millionen Haushalte.

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erstellt am 31.Dez.2016 | 14:18 Uhr

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