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Geheimnisvolles Elektroauto : Heimliche Tests: Wenn Daimler einen Miet-Tesla zerlegt und zusammenklebt

vom
Aus der Onlineredaktion

Offenbar wollte sich Daimler ein Scheibchen von Tesla abschneiden. Völlig zerstört ging der sezierte Mietwagen zurück. Der Eigentümer schaut in die Röhre.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 12:25 Uhr

Sindelfingen | Dass Autohersteller zwecks Erkenntnisgewinn die Produkte ihrer Konkurrenz in Einzelteile zerlegen, ist gängige Praxis. In einem so umkämpften Markt ist es stategisch wichtig, über Schwächen, Stärken und technologischen Vorsprung der anderen Marken im Bilde zu sein. Insbesondere bei den gehypten Teslas gibt es für die deutschen Autobauer einiges auszuspionieren. Auf einen besonders präganten Fall dieser Späh-Methode ist das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gestoßen.

Es geht um einen Tesla S, der Ende August über Sixt bei einem Nebenerwerbsvermieter geliehen und als wirtschaftlicher Quasi-Totalschaden vor die Tür gestellt wurde: Mit 83.523,35 Euro Schaden, wie die „Welt“ berichtet. Aus dem in vier Stunden zusammengestellten Dekra-Gutachten geht hervor, dass das verbeulte und verschrammte Fahrzeug (Listenpreis ab 71.399 Euro) zerlegt und nur notdürftig wieder zusammengesetzt wurde. Das erschien dem Vermieter Manfred van Rinsum zunächst rätselhaft, bis er im Handschuhfach ein verräterisches Papier fand. Dieses war am 11. Juli 2017 um 8.40 Uhr im Mercedes Benz Technology Center in Sindelfingen ausgestellt worden – mit der Nachricht „Sie parken falsch!“. Das Auto war während der sieben Mietwochen irregulär in der Lkw-Logistikzone des Autobauers abgestellt worden.

Auch technisch war der teils mit Tapeband zusammengeschusterte Tesla offenbar arg in Mitleidenschaft gezogen worden. „Antrieb muss gewartet werden“ – diese Meldung habe das Fahrzeug kurz nach der Rückgabe ausgespuckt, berichtet der Eigentümer der „Welt“. Van Rinsum vermutet, dass dies die Folge intensiver Versuchsfahrten auf dem Racetrack durch die Daimler-Späher ist. 4000 Kilometer seien damit zurückgelegt worden, außerdem sei das Zerlegen freilich kein Bestandteil der Vereinbarung gewesen, die er – bei Kenntnis des Mieters – ohnehin nicht eingegangen wäre, sagte er der „Welt“. Bis nach Barcelona sei das Fahrzeug gebracht worden, schließt der Eigentümer aus den Ortungsdaten. Das macht Sinn, denn dort gibt es eine Teststrecke der Autoindustrie.

Die Sixt-Versicherung hat rund 18.500 Euro an van Rinsum gezahlt, für die Begleichung vom Rest des Schadens ist der Eigentümer des Luxuswagens auf sich allein gestellt. Zumal die Zweiwochenfrist abgelaufen ist und ein juristischer Anlauf gegen den Auto-Giganten ihm ohnehin hoffnungslos erscheint.

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