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Eröffnung mit Merkel und Modi : Hannover Messe: Wie Roboter die „Industrie 4.0“ prägen

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Vernetzte Industrie ist das Thema in diesem Jahr. Fünf Tage lang dreht sich alles um die Fabrik der Zukunft.

Hannover | Zum Auftakt der größten Industrieschau der Welt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der indische Premierminister Narendra Modi am Montag in Hannover ihren Rundgang durch die Hallen begonnen. Indien ist diesmal Partnerland der Hannover Messe mit gut 6500 Ausstellern aus rund 70 Ländern.

Unter dem Motto „Integrated Industry - Join the Network“ (etwa: Vernetzte Industrie - tritt dem Netzwerk bei) bietet die Schau einen Blick auf die Fabrik der Zukunft, bei der Maschinen zunehmend miteinander vernetzt sind. Erwartet werden rund 217.000 Messegäste aus aller Welt.

Zentrales Thema ist die „Industrie 4.0“. Die Bezeichnung bezieht sich auf die vierte industrielle Revolution, die vernetzte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Die vorherigen Phasen der Industrialisierung werden wiefolgt voneinander abgegrenzt:

Phasen der Industrialisierung
Erste industrielle Revolution: Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft
Zweite industrielle Revolution: Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern und elektrischer Energie
Dritte industrielle Revolution: Auch digitale Revolution genannt. Der Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion wurde üblich.

Ein beispielshaftes Zukunftsprojekt auf der Messe ist Transport-Roboter „Fifi“. Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte System arbeitet „kollaborativ“: Das heißt, Roboter müssen nicht mehr in einem Käfig eingesperrt werden, sondern arbeiten eng mit dem Menschen zusammen. Die Kommunikation von Mensch und Maschine in intelligent organisierten Industrie- 4.0-Betrieben werde ein großes Thema in Hannover sein, sagt eine Messesprecherin. „Wir wollen weg vom Eingeben von Befehlen und hin zu einem System, das je nach Situation versteht, was gerade gebraucht wird“, erläutert der Projektleiter am KIT-Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL), Andreas Trenkle. Gut drei Jahre hat das Team für die Entwicklung von „Fifi“ gebraucht. In Hannover präsentiert sich „Fifi“ als elektrischer Laufbursche, der Lasten trägt und seinem Nutzer überallhin folgt - bis sich dieser wieder abmeldet, mit dreifachem Winken der linken Hand.

Die Roboterplattform „Fifi“ folgt auf Schritt und Tritt.
Die Roboterplattform „Fifi“ folgt auf Schritt und Tritt. Foto: dpa

„Fifi“ ist mit einer Kamera des Microsoft-Systems Kinect ausgestattet und setzt für die Gestensteuerung auch Open-Source-Komponenten, also frei verfügbare Software ein, deren Code offen liegt und angepasst werden kann. Das KIT-Team baute den allerersten Prototyp mit Lego-Steinen. Inzwischen hat das System Anwendungsreife erreicht. Die kleinere Version, wie sie auf der Hannover Messe gezeigt wird, kann Lasten bis zu 25 Kilogramm tragen, also gerade einen Kasten Bier nach einem anstrengenden Messetag. Die größere Version schafft bis zu 300 Kilogramm.

Das System werde auch von Gewerkschaftern wohlwollend bewertet. Denn diese Art von Roboter solle den Arbeitsplatz eines Beschäftigten nicht überflüssig machen, sondern vielmehr den Menschen so unterstützen, dass er sich mehr auf den wertschöpfenden Teil seiner Tätigkeit konzentrieren könne. Gerade in einer alternden Gesellschaft könnten Beschäftigte länger arbeiten, wenn sie bei körperlich anstrengenden oder ermüdenden Tätigkeiten von Robotern entlastet würden. Solche „weichen Faktoren“ würden künftig mehr in Berechnungen der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt als bisher, erwartet Kirmse.

Die Szenarien für „Fifi“ sehen vor allem Einsätze in Logistikzentren - etwa von großen Online-Händlern - oder Montagehallen vor. „Der Mitarbeiter kann etwa an Regalen vorbeilaufen und benötigte Teile auf dem Hubtisch von Fifi ablegen“, sagt Kirmse. Ein anderes Szenario versetzt den Roboter in einen Automatik-Modus und schickt ihn in eine Fertigungszelle, zu der Menschen keinen Zutritt haben und andere Roboter die von „Fifi“ gebrachten Teile aufnehmen. Systeme für die Mensch-Roboter-Kollaboration werden unter anderem von Herstellern wie Epson, ABB, Kuka und Gomtec entwickelt. Die Nachfrage der Industrie ist da.

Doch nicht überall in Deutschland und Europa läuft es so gut wie beim Karlsruher Institut für Technologie. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte im Vorfeld der Messe Deutschlands Nachholbedarf bei der Digitalisierung. „Wir müssen in Europa einfach einen Zahn zulegen, genauso wie wir auch in Deutschland einen Zahn zulegen müssen.“

Mit Blick auf das Partnerland Indien, für das Deutschland der wichtigste Handelspartner in der EU sein, signalisierte sie Interesse an einer Vertiefung der Beziehungen. „Wir freuen uns, dass Ihre Wirtschaft auf Reformkurs ist“, sagte sie an die Adresse von Indiens Premierminister Narendra Modi. Der warb in Hannover um westliche Investitionen - der Subkontinent ist diesmal Partnerland der weltgrößten Industrieschau mit gut 6500 Ausstellern aus rund 70 Ländern.

> Die Messe läuft noch bis zum 17. April. Weitere Informationen gibt es hier.

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erstellt am 13.Apr.2015 | 11:02 Uhr

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