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Statt Zwangsabgabe : Handel schlägt vor: 20 Cent für jede Plastiktüte

vom

Wegen Drohung der Ministerin: Verband setzt auf freiwillige Regelung mit Mindestpreis.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 12:54 Uhr

In dem Streit über eine Zwangsabgabe für Plastiktüten kommt Bewegung: Der Einzelhandelsverband HDE hat eine freiwillige Abgabe auf Plastiktüten von mindestens 20 Cent vorgeschlagen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hat das Bundesumweltministerium den Eingang eines entsprechenden Vorschlags bestätigt. Demnach soll der HDE aber keinen Preis festlegen, sondern das den Unternehmen überlassen. Die Regel soll ab April 2016 gelten.

Plastiktüten verrotten nur schlecht. Gelangen sie ins Meer, werden sie oft von Fischen gefressen, die daran verenden. Ob allerdings Plastiktüten aus Deutschland zur Meeresverschmutzung überhaupt beitragen, ist laut Umweltbundesamt nicht bekannt. „Auf dem deutschen Festland gibt es nur geringe Probleme mit ,gelittertem' Müll, und das Problem ist bezogen auf Plastiktüten noch einmal geringer“, heißt es weiter in dem Bericht.

Bislang sind Tüten in Deutschland in Supermärkten kostenpflichtig, im Textilhandel etwa dagegen meist kostenlos für den Kunden. Ausgenommen sollen laut dem HDE-Vorschlag weiterhin kleine Tüten für Obst oder Gemüse bleiben, die im Fachjargon als „Hemdchenbeutel“ bezeichnet werden.

Grund für den HDE-Voschlag: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte mit einem Gesetz gedroht, falls die Industrie nicht selbst einen praktikablen Vorschlag einbringt. Laut EU-Richtlinie muss jedes Land den Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten bis 2019 auf durchschnittlich 90 pro Jahr senken. Deutschland liegt heute bereits unter diesem Wert mit 71 Stück. Allerdings schreibt eine EU-Richtlinie bis 2025 nur noch 40 Tüten pro Kopf und Jahr vor.

Zum Vergleich: Derzeit sind es im EU-Schnitt 198 Stück. Letzter in der Statistik ist Bulgarien mit 421 Stück. In Irland sorgte eine Plastiktütenabgabe von 22 Cent auf eine Reduzierung auf nur 18 Stück pro Kopf und Jahr - den geringsten Wert in der EU.

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