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Handel im größten Umbruch seit Ende des Tante-Emma-Ladens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 18:30 Uhr

Marc Ramelow war verblüfft. Der Chef eines alteingesessenen Elmshorner Modehauses wollte mit seinen Verkäufern darüber reden, wie sie über Kanäle wie Twitter und Facebook an die Kunden herankommen. Doch da hatte einer der Kollegen längst seine 50 wichtigsten Kunden in einer WhatsApp-Gruppe organisiert. „Wir brauchen mehr Mut“, fordert der Familienunternehmer Ramelow beim Handelskongress in Berlin. Von eBay bis Zalando stellt das Internet das Einkaufen schon seit Jahren auf den Kopf. Doch im Laden um die Ecke spüren Kunden davon noch immer wenig. Ramelow will den Kampf aufnehmen, probiert vieles aus: So präsentiert die Auszubildende den „Look of the Week“ auf Facebook (25 „Gefällt mir“-Klicks für den Parka) und nach dem Model-Wettbewerb im Laden posten Kandidatinnen ihre Selfies auf der Ramelow-Seite.  „Da ist sehr viel von Start-up-Kultur“, meint der Mittelständler – nach 140 Jahren Unternehmensgeschichte. „Wir müssen da sein, wo die Kunden sind. Sie sind schneller in die digitalen Medien gegangen als wir vor zwei, drei Jahren dachten.“

Heute geben die Bundesbürger jeden elften Euro online aus, 2020 wird es schon jeder vierte sein, wie der Handelsforscher der Uni Köln, Werner Reinartz, glaubt. In den Städten verschwänden Geschäfte mit der Fläche von mehr als 1000 Baumärkten. „Der Umbruch ist dramatischer als der Wandel von Tante Emma zum Supermarkt und der des Aufkommens der Discounter“, sagt der Präsident des Handelsverbands Deutschland, Josef Sanktjohanser. Er spricht von einer faszinierenden Dynamik, die auch viele stationäre Händler erfasst habe. Immerhin jeder Dritte verkaufe inzwischen auch im Internet – und sei es nur über eBay. Das Web sei eine der letzten Wachstumschancen, meint Sanktjohanser. „Der Handel bleibt, aber anders.“

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