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Flughafen Fuhlsbüttel : Hamburg: Zu viele verspätete Flieger trotz Pünktlichkeitsoffensive

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Aus der Onlineredaktion

Die Zahl verspäteter Flüge nach der Sperrzeit um 23 Uhr sollte verringert werden. Doch sie hat um das Doppelte zugenommen.

Hamburg | Es gibt Ärger um die Pünktlichkeitsoffensive am Hamburger Flughafen: Bürgerinitiativen sehen in der seit April geltenden Selbstverpflichtung der Airlines eine Mogelpackung. Tatsächlich hat sich die Zahl verspäteter Flüge nach 23 Uhr im Mai und Juni im Jahresvergleich in etwa verdoppelt. Und das, obwohl Airport-Geschäftsführer Michael Eggenschwiler im April mit den fünf größten Fluglinien eine Vereinbarung zum Einhalten der nächtlichen Sperrzeit getroffen hatte.

Eigentlich soll es aus Lärmschutzgründen zwischen 23 und 6 Uhr gar keinen planmäßigen Flugverkehr geben. Mittels Ausnahmegenehmigungen erreichen dennoch durchschnittlich knapp zwei Flieger pro Tag Fuhlsbüttel in der Stunde vor Mitternacht. Solche Flüge zu nachtschlafender Zeit empfinden viele Anwohner als besonders störend. Bürgerinitiativen fordern daher eine strikte Betriebszeit von 6 bis 22 Uhr.

Die Pünktlichkeitsoffensive soll die Zahl der Bummelflüge spürbar verringern. Am 26. April hatten Air Berlin, Condor, Easyjet, Eurowings/Germanwings und Lufthansa mit dem Airport neun Maßnahmen verabredet, die den Flugplan „stabiler und verlässlicher“ machen sollen. Verspätete Flüge sollten mit höherer Priorität abgefertigt werden, ein „Pünktlichkeitsmanagement“ die Abstimmung optimieren. Hamburg wolle bundesweiter Vorreiter bei der Einhaltung der Sperrzeiten werden, betonten Flughafen und Senat.

Die Zwischenbilanz nach zwei Monaten ist ernüchternd. Nach Angaben der Fluglärm-Bürgerinitiative BAW gab es im Mai 74 Flüge nach 23 Uhr, im Jahr zuvor waren es 50. Im laufenden Monat schnellte die Zahl sogar auf 136 (Stand: 26. Juni), nach 61 im gesamten Vorjahres-Juni. Allein am Freitag, 24. Juni, landeten laut BAW-Zählung elf Jets verspätet, vier von ihnen nach Mitternacht. „Flughafen und Senat täuschen die Bürger“, ärgert sich BAW-Sprecher Martin Mosel. Die Pünktlichkeitsoffensive entpuppe sich als „Lüge“ und „Marketinggag“. Mosel fordert den Senat auf, sein „ verhätscheltes und verzogenes Problemkind Flughafen endlich in die Schranken zu weisen“.

Der Airport räumt die gestiegenen Zahlen im Wesentlichen ein, begründet diese aber mit ungewöhnlichen Umständen. „Die Hauptursache liegt in den vielen Unwettern der vergangenen Wochen“, sagte Airport-Sprecherin Katja Bromm. Wegen der Wetterkapriolen seien in ganz Europa Flugpläne durcheinander geraten. Für zusätzliche Verzögerungen hätten Streiks von Fluglotsen und Piloten im Ausland gesorgt. Laut Bromm darf der Flughafen verspäteten Fliegern bis 24 Uhr die Landung gar nicht verweigern. „Die Fluglinien haben darauf einen gesetzlichen Anspruch.“ Deshalb habe der Airport auch nie versprochen, dass es überhaupt keine Flüge nach 23 Uhr mehr geben werde.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 15:39 Uhr

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