Hamburg verbietet Taxi-Konkurrenz WunderCar

shz.de von
06. Juni 2014, 13:27 Uhr

Hamburg stoppt den aufstrebenden Taxi-Konkurrenten WunderCar. Die Wirtschaftsbehörde hat dem Internetanbieter mit Sitz in der HafenCity gestern die Vermittlung von Autofahrten mit sofortiger Wirkung untersagt. „Die Behörde ist der Überzeugung, dass die ‚WunderCar‘ angeschlossenen Fahrer entgeltliche Personenbeförderung durchführen, ohne im Besitz einer Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz zu sein“, sagte Sprecherin Susanne Meinecke. Hält sich das Unternehmen nicht an das Verbot, werde pro vermittelter Fahrt ein Zwangsgeld von 1000 Euro fällig. WunderCar führt nach eigenen Angaben nur private Autofahrer zueinander und macht sie zu „Gelegenheits-Chauffeuren“. Firmenchef Gunnar Froh wies den Vorwurf der kommerziellen Personenbeförderung zurück. Vom Verbot will er sich nicht beeindrucken lassen: „Wir machen weiter.“

Mit der drastischen Maßnahme folgt die Behörde der Forderung des Hamburger Taxigewerbes. Clemens Grün vom Taxiverband Hamburg wirft dem Konkurrenten vor, sein Konzept sei eine „Einladung zu Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung“. Während sich Taxifahrer Gesundheitschecks, einer Ortskundeprüfung und die Taxen selbst jährlichen Tüv-Prüfungen unterziehen müssten, hätten WunderCar-Fahrer diese Pflichten nicht.

Das Unternehmen war erst im März in Hamburg mit einer App an den Markt gegangen. Registrierte Nutzer können darüber eine Fahranfrage stellen. Wer den Fragenden mitnehmen will, meldet sich via Smartphone, vereinbart einen Treffpunkt und bringt den Fahrgast zum Ziel. Den Preis legt der Mitfahrende nach dem Prinzip „Pay what you want“ selbst fest. Theoretisch braucht er nichts zu zahlen, wird aber auf die Möglichkeit eines „Trinkgeldes“ hingewiesen. Die App zeigt als Empfehlung den Betrag an, der üblicherweise für die Strecke gegeben wird. 20 Prozent davon gehen an die Firma.

Die WunderCar Mobility Solutions GmbH war im November 2013 als Startup gegründet worden. Neben Hamburg ist es auch in Berlin und Dublin vertreten. Die Ausdehnung auf weitere europäische Metropolen ist geplant.

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