79 Millionen Euro Schulden : Hamburg und SH: Katholische Kirche im Norden überschuldet

Erzbischof Stefan Heße bleibt zuversichtlich. /Archiv
Erzbischof Stefan Heße bleibt zuversichtlich. /Archiv

Ohne Gegenmaßnahmen würden die Verbindlichkeiten des Erzbistums Hamburg bis 2021 auf 353 Millionen Euro steigen.

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12. Dezember 2017, 20:22 Uhr

Hamburg/Kiel | Das katholische Erzbistum Hamburg kämpft ums finanzielle Überleben: Wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Unternehmensberatung „Ernst & Young“ hervorgeht, weist das Erzbistum, zu dem rund 400.000 Katholiken in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zählen, derzeit eine Verschuldung von 79 Millionen Euro aus. Ohne Gegenmaßnahmen würde sich die Überschuldung bis zum Jahr 2021 auf 353 Millionen Euro erhöhen. „Überschuldung bedeutet, dass das Vermögen des Erzbistums nicht ausreicht, um die langfristigen Verpflichtungen zu finanzieren“, teilte das Erzbistum mit.

Dass es um die Finanzen der Erzdiözese nicht rosig steht, ist schon länger bekannt: Schon 2016 hatte Erzbischof Stefan Heße gefordert, pro Jahr rund 20 Millionen Euro einzusparen. Doch der nun im Rahmen des Erneuerungsprozesses des Erzbistums erstellte Bericht macht deutlich: Es ist alles noch viel schlimmer. Bei vielen der rund 1000 Kirchen, Gemeindehäuser und sonstigen kirchlichen Gebäuden bestehe ein Instandhaltungsrückstau. Er betrage derzeit mehr als 150 Millionen Euro. Und die Übernahme des katholischen Schulverbands mit seinen 25 Schulen Anfang 2017 führte wegen ungedeckter Pensionsverpflichtungen zu einer deutlichen Erhöhung der Schuldenlast. Zudem habe das Erzbistum, das durch Zuzüge von Katholiken aus anderen Regionen in den letzten Jahren stets stärker Mitglieder gewann, als es durch Austritte und Todesfälle verlor, „über seine Verhältnisse gelebt.“

In ihrem Bericht empfehlen die Unternehmensberater tiefgreifende Einschnitte: Als „denkbar“ bezeichnet werden die Aufgabe von Gebäuden ebenso wie die Schließung einzelner katholischer Schulen. Und ohne massive Einschnitte wird es wohl kaum gehen – aus der Kirchensteuer etwa erzielt das Erzbistum derzeit lediglich Einnahmen von rund 97 Millionen Euro pro Jahr.

Erzbischof Stefan Heße zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass die wirtschaftliche Gesundung des Erzbistums gelingen könne: „Wir werden Kirche in Zukunft anders denken müssen“. Generalvikar Ansgar Thim hob hervor, man werde nun mit Nachdruck an Entscheidungen arbeiten. Manfred Nielen, Pressesprecher des Erzbistums, verwies gegenüber dem sh:z darauf, dass erste Maßnahmen bereits erfolgreich umgesetzt worden seien: Dies gelte etwa für die Zusammenlegung der bislang getrennten Caritasverbände in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zu einem gemeinsamen Verband mit Sitz in Schwerin. Die dabei erzielten Synergieeffekte brächten Einsparungen in Millionenhöhe. „Wenn wir Immobilien verkaufen, ist es sicher ertragreicher, das in den Großstädten Hamburg oder Kiel zu machen, als auf dem flachen Land“, sagte Nielen.

Bei den Katholiken in der Region sorgen die neuen Zahlen trotzdem für Sorgenfalten. Man werde sich den Bericht genau ansehen, sagt etwa der Flensburger Pfarrer Bernd Wojzischke. Denn letztlich hätten alle Veränderungen, die im Erzbistum umgesetzt würden, Auswirkungen auf die Gemeinde vor Ort.

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