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Dauerkrise in der Schifffahrt : Hamburg: Reeder treffen sich zur Jahresversammlung

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Niedrige Frachtraten und Überkapazitäten: Darunter leidet die Schifffahrt schon seit Jahren. Reedereien stehen unter Druck.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 18:44 Uhr

Hamburg | Eine Bemerkung war Alfred Hartmann inmitten all der unguten Botschaften dann doch wichtig: „Die Schifffahrt ist keine Abbau-, sondern eine Wachstumsbranche“, betonte der Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR) am Donnerstag in Hamburg. Immerhin prognostizierten Experten dem weltweiten Warenverkehr im nächsten Jahr ein Plus von mehr als vier Prozent. Dennoch kündigte Hartmann beim VDR-Jahrestreffen an: „2016 wird für uns erneut ein schwieriges Jahr.“

Die Schifffahrt leidet weltweit seit mehr als sieben Jahren unverändert unter niedrigen Frachtraten und Überkapazitäten. Deutsche Reeder stellen mit mehr als 3000 Schiffen die viertgrößte Handelsflotte weltweit und sind führend in der Containerschifffahrt.

So wie schon 2015, in dem sich die anhaltende globale Schifffahrtskrise in Zahlen so ausdrückt: Zum 30. September schrumpfte die deutsche Handelsflotte im dritten Jahr in Folge, diesmal um 117 auf 3122 Schiffe. Seit dem Höchststand 2012 hat die Transportkapazität um zwölf Prozent, die Zahl der Schiffe um 17 Prozent abgenommen. Inzwischen, so Hartmann, schlage sich der Negativtrend auch in einem Rückgang bei den Beschäftigten nieder. Die Zahl deutscher Seeleute sank um 300 auf 6700. All das sei „beunruhigend“, befand der VDR-Präsident, der keine Anzeichen für eine Trendwende ausmachen konnte.

Ursache der Talfahrt seien weiterhin große Überkapazitäten auf den Weltschiffsmärkten, was die Fracht- und Charterraten im Keller hält. „Die Charterraten sind wie vor 15 Jahren, bei den Kosten von heute“, klagte der Reeder aus Leer (Ostfriesland). Er gehe davon aus, dass der „brutale Kostendruck“ auf Sicht bestehen bleibe. Obendrein drohe zusätzliche Billigkonkurrenz ab dem nächsten Jahr, wenn die HSH Nordbank problematische Schiffskredite im Wert von zwei Milliarden Euro auf dem Markt zu Geld machen will. Dazu werden die als Sicherheiten eingesetzten Schiffe veräußert – und das vermutlich zu äußerst niedrigen Preisen, was den Wettbewerb weiter anheize. Ausländische Hedgefonds und andere Investoren stünden bereit, sich für kleines Geld mit Tonnage einzudecken. Hartmann appellierte an die Bank und an die Politik, möglichst viele der Schiffe an deutsche Reeder abzugeben.

Bei den meisten der 345 nationalen Reedereien handelt es sich um kleine und mittlere Unternehmen, die vom Verchartern ihrer Flotten an große Linienreedereien leben. Hochburgen der Branche sind Hamburg (124 Reedereien, 1440 Schiffe) und Niedersachsen (133 Reedereien, 1050 Schiffe). Schleswig-Holstein zählt 58 Unternehmen (259 Schiffe), Bremen 29 (682 Schiffe).

Als Ausweg aus der Krise setzt die Branche auf eine noch stärkere finanzielle Unterstützung des Staates. Hartmann verlangte, der Bund müsse den EU-Förderrahmen so ausschöpfen, wie andere Nationen es praktizierten. Tatsächlich haben Bundesregierung und Bundestag auf Antrag Hamburgs zugesagt, dass Reeder künftig die Lohnsteuer für Seeleute auf Schiffen unter deutsche Flagge komplett einbehalten dürfen und auch vom Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsabgaben befreit werden. Komme es so, könnten die Unternehmen zuverlässig planen und den weiteren Verlust deutscher Seeleute für den Standort stoppen, versprach der Verbandschef.

Zum anderen setzen die Reeder große Hoffnungen auf Flüssigerdgas (LNG) als umweltfreundlichen Schiffstreibstoff der Zukunft. Dafür fehle es in den Häfen allerdings noch an Infrastruktur, vor allem an Betankungsmöglichkeiten. Zudem sei der Bau eines LNG-Schiffes im Durchschnitt um bis zu ein Viertel teurer. Hartmann: „Ohne ein breites Förderprogramm der Bundesregierung für Neu- und Umbau LNG-betriebener Schiffe lassen sich die Barrieren für den Markteintritt nicht abbauen.“ Der Reederverband hat daher ein staatliches Förderprogramm in Höhe von 150 Millionen Euro vorgeschlagen. Bisher hat der Bund diese Mittel noch nicht zugesagt.

 

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